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VI. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstörung

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

VI. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstürung.

Nicht immer ist die gleichgeschlechtliche Frauenliebe eine Folge lang anhaltender Enthaltsamkeit im geschlechts-reifen Alter, und nicht immer führt lang anhaltende Enthaltsamkeit geschlechtsreiser Frauen zur lesbischen Liebe.

Wenn ich trotzdem von der gleichgeschlechtlichen Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstörung spreche, so geschieht dies in der Überzeugung, daß lang anhaltende geschlechtliche Enthaltsamkeit die Hauptveranlassung für die lesbische Liebesbetätigung vieler Mädchen ist. Meine Erfahrung als Arzt einer Fürsorgeabteilung hat mich zu der Überzeugung kommen lassen, daß für die überwiegende Mehrzahl der Frauen weibweiblicher Verkehr imstande ist, eine Auslösung geschlechtlicher Reize zu bewirken? Wenn diese Auslösungsmöglichkeit von einem erheblichen Teile enthaltsam lebender Frauen nicht ergriffen wird, so spielen wohl meist Unkenntnis dieser Liebesart, sittliche Hemmungsvorstellungen, sowie die Anwendung anderweitiger Ersatzmittel für den Männerverkehr eine Hauptrolle. Diejenigen Frauen, die trotz ständiger Versuchungen durch lesbische Mädchen, bei Fehlen jeden männlichen Verkehres, sinnlich nicht gereizt, sondern nur angewidert werden, selbst dann, wenn sie Iahre hindurch von allem Umgang mit Männern ausgeschlossen sind, sind meiner persönlichen Erfahrung nach in der Minderheit.

Wenn diese Annahmen zutreffen, muß es möglich sein, gleichgeschlechtliche Neigungen dadurch zu erzeugen, daß man Mädchen unter für diesen Zweck günstige Bedingungen versetzt.
        
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