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IV. Lesbische Liebesbriefe

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

58 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

gesperrt werde!" Es war gerade der Abend des Tages, an dem gegen sie Termin anstand. Sie wurde denn auch nur bis zum 21. Jahre in Erziehungshaft behandelt. Dann erzählte sie mir eines Tages glückstrahlend, daß sie frei sei und unter Kontrolle, sie gehe für ein anderes Mädchen auf den Strich (als Mutter) und beabsichtige, nach Frankfurt am Main zu fahren; da solle etwas los sein, wie sie gehört habe. Mit 19 Jahren hatte sie an die drei Jahre jüngere Freundin folgenden Brief gerichtet:

Vorderseite des Briefumschlags:

An

meinen süßen Strolch

Hierselbst.

Rückseite des Briefumschlags: von, wem?

Der Kassiber lautet:

Berlin, d. (Datum).

Mein innig geliebter Strolch!

Innige Liebe und Zuneigung zu Dir, veranlaßt mich, Dir mein Liebling diese Zeilen zu senden. An meinem Benehmen Dir gegenüber wirst Du schon, meine Liebe, gemerkt haben, daß ich Dir von Herzen gut bin; und ich will jedenfalls alles tun, um Deiner, als Freundin würdig zu sein. Ja, meine süße . . . wir wollen treue Freundinnen sein, und uns durch diese Leidenszeit hindurchkämpfen, um auch später die Freuden des Lebens miteinander zu teilen. Mit Freuden denke ich daran, Dich auf der goldenen Freiheit wieder zu sehen; darum, darum, Herzel, wollen wir miteinander geduldig ausharren. Ich gebe Dir hierdurch mein Wort, daß ich Dich nie verlassen werde und sollte ich die goldene Freiheit früher wiedersehen wie Du, dann will ich jeden-
        
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