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III. Urnindenliebe

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

34 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

Vater, bald die Mutter für die Ausbringung des zum Haushalte nötigen Geldes durch Männerverkehr. Während ich unter den Dirnen weibliche Zuhälter sah, die mir als Uranierinnen erschienen, schien es mir, als ob andere urnisch veranlagte Mädchen sich die Rettung ihrer „gefallenen" Mitschwestern am Herzen gelegen sein ließen. Doch ist eine scharfe Trennung der Arninden von den Lesbierinnen nicht immer durchführbar, da es schwer zu sagen ist, ob eine Frau, die weiblichen und männlichen Verkehr gepflogen hat, auch bei beiden Arten ohne Zuhilfenahme der Phantasie Freude empfand. Ist es doch nicht ausschließlich körperliche und geistige Zuneigung, die die Paare zusammenführt, sondern das Bedürfnis der Lebenssicherung, wohl auch der herkömmliche Brauch, treiben manche Ilranierin zur Ehe. Während die männer-liebende Frau eine innige Berührung ersehnt, wird die Urninde durch Männerzärtlichkeit oft angewidert. Eine einzige Ehe schien mir etwas glücklicher zu verlaufen. Die Frau stand im Erwerbsleben, war Mutter mehrerer Kinder und behandelte heranwachsende Mädchen sehr zärtlich. Sie machte auf mich in ihrem vierschrötigen Wesen, sowie in ihrem ganzen Auftreten den Eindruck einer gebildeten Urninde. Der Mann hingegen war zart, weich und schien zu seiner Gattin in Verehrung empor-zublicken.

Sonst sah ich nicht viel Erfreuliches, wenn Urninden sich heiraten ließen, wohl aber viel Elend. Erst kürzlich schoß ein Handarbeiter, dessen Gattin gleichgeschlechtlicher Liebesbetätigung huldigte, auf das Freundinnenpaar.
        
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