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III. Urnindenliebe

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

III. Urnindenliebe.

Es ist herkömmlich, trt der gleichgeschlechtlichen Liebes-betätigung den Gipfel aller Ausschweifung, die Krone allen Lasters zu sehen. Für denjenigen, der mit den einschlägigen Verhältnissen näher vertraut ist, erscheint die urnische Liebe teilweise in etwas anderem Lichte.

Es gibt keusche Urninden, die ihren Neigungen nicht nachgeben. Andere beschränken sich aus Umarmungen und Küsse. Wieder andere leben in ständigem Verkehre. Der Verkehr erinnert bald an die Einehe, bald an Vielehe, bald an Vermischung (Promiskuität). Die Urninde

? fühlt sich selten zu Uranierinnen hingezogen, oft zu Mäd-| chen der Durchschnittsrichtung. Es gibt Freundinnen-g -§ paare, die jahrelang befriedigt miteinander leben, die |5 § eine glückliche Ehe führen. Bei anderen Paaren dauert * das Zusammenleben kürzere Zeit, da der „Vater" sich zugleich mit anderen Mädchen abgibt, die „Mutter" dem Herrenverkehr huldigt. Rohe Sinnlichkeit ohne geistige Hinneigung ist meiner Erfahrung nach ebenso selten bei Urninden wie bei anderen Menschen. Einige Uranierinnen meines Bekanntenkreises gaben an, durch halbangezogene Mädchen erregt zu werden, eine Erfahrung, die ich namentlich in Fürsorgeerziehungsabteilungen machen konnte.

Andere wurden nur selten sinnlich erregt, wenn gerade ein „passendes" Mädchen in ihrer Nähe weilte. Viele als „Väter" sich betätigende Frauen führen eine strenge Herrschaft. Namentlich in den Kreisen der Halbwelt haben die Mütter oder Muttchen eine strenge Behandlung zu erdulden. Die Väter schlagen bei Unfügsamkeit unbarmherzig aus die Genossin ein. Nicht selten ist die Vermieterin Vater, die Mieterin Mutter. Bald sorgt der

Großstadt-Dokumente Bd. 20.	3
        
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