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3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin.	29

läßt; ober ist nicht die Achtung des Mutter werdenden Mädchens, für das eine gesetzliche Strafe nicht besteht, vielmehr ein Beweis, daß die öffentliche Meinung viel schlimmer bestraft als ein solcher Paragraph? Legen Sie überhaupt soviel Wert aus das, was der große Haufen denkt? „Ich persönlich nicht, aber viele andere." Warum kamen die homosexuellen Männer zu Ihnen, einer Frau? „Sie wollen eine mitfühlende Seele. Sie wollen sich aussprechen. Sie wollen mir was vorklagen." Warum gehen sie da zu einer Frau? „Sie glauben, die verstände sie besser. Sie wollen eine Homosexuelle. Die Frauen sind natürlich mehr aus das Männliche zugeschnitten." Wie groß ihr Verständnis für die männlichen Homosexuellen ist, beweist der Ausspruch: „Ich will in den Kreisen der Homosexuellen (Männer) meiner Vaterstadt nicht verkehren. Das ist mir viel zu kompromittierend. Die Männer sind mir zu große Klatschbasen. Gerade die Homosexuellen halten das gegebene Wort nicht."

Nun lenkte ich das Gespräch aus Krupp. Dieser Unglückliche war ihr schon früher bekannt. Sie äußerte, daß sie ihn schon lange vor der Vorwärtsdenunziation für homosexuell gehalten habe. Warum? „Wegen des Kinnes. Es läßt sich das nicht beschreiben, so der ganze Eindruck." Nun schauen Sie mal, bitte, mein Kinn an. Halten Sie mich für homosexuell? fragte ich int weiteren Gespräche, um ihre Kinndiagnose aus die Probe zu stellen. „Sie tragen einen Bart. Da läßt sich das nicht sagen," war die Antwort.

Die Dame sympathisiert mit Herrn Dr. Hirschfeld und dem wissenschaftlich-humanitären Komitee, hauptsächlich, wie sie angibt, deswegen, weil Herr Dr. Hirschfeld die Homosexualität nicht für eine krankhafte, sondern für eine natürliche Erscheinung erklärt.

Ich hielt ihr vor, daß das doch wohl hauptsächlich
        
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