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3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

28 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

bloß ein richtiges Urteil habe, aber ich schreibe gern Antiken, von Romanen zum Beispiel." Sind diese Beurteilungen schroff? „Etwas satyrisch angehaucht, aber nicht schroff."

Was haben Sie denn bezüglich Ihrer Zukunft für eine Absicht? „Abwarten." Wenn Sie nun eine Redaktrice-stelle in der Redaktion eines fteisinnigen Blattes gefunden haben, wie wollen Sie dann Ihr Leben einrichten? „Ich miete mir ein nettes Zimmer, fern von meinen Verwandten, die mein Benehmen extravagant finden; etwas haben sie sich ja daran schon gewöhnt. Aber Aussetzungen bekommt man dennoch viel zu hören. Ich miete mir also dann ein nettes Zimmer, und wenn mir eine gut gefällt, nehme ich sie mit. Ich bin ihnen auch sehr gut. Mitgehen tun sie auch. Merkwürdig, ich habe kolossales Glück bei Frauen. Die halbe Leipziger Ecke läuft mir nach. Die (Dirnen) bieten mir oft zwanzig Mark."

Obgleich man in ihrem Vaterhause „ihr jungenhaftes Benehmen" als „übergeschnappt" tadelte, wurde sie „von Männern viel poussiert". Solche Herren erregen sich über ihr souveränes Benehmen und „schweben ab".

Nun brachte ich das Gespräch auf den § 175. Sie wünscht seine Aufhebung. Ich sagte: Glauben Sie denn, daß die gesetzliche Strafe der Hauptnachteil für Homosexuelle ist, oder ist nicht die allgemeine Verachtung viel schlimmer als die oft recht geringfügige Gefängnisstrafe? Es ist der Trieb ja nicht verboten, sondern ein Nachgeben des Triebes. „Das können sie ihnen aber auch nicht übelnehmen. Ich bitt dafür, damit die armen Würmer nicht immer so unglücklich sind darum. Ich kenne sehr viele, die furchtbar unglücklich sind wegen der sozialen Folgen. Sie verlieren ihre Stellen, sind allgemein geächtet." Glauben Sie denn, daß die Ansicht des großen Hausens sich durch den Paragraphen wesentlich beeinflussen
        
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