Path:
3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin.	27

nicht so sagen, eben die ganze Harmonie. Es mutz eine Frau sein, die zu mir patzt." Werden Sie in Gegenwart vieler Mädchen sinnlich? „Um Gottes willen nicht." Gefallen Ihnen von hundert etwa fünfzig? „Nein, von tausend vielleicht eines oder zwei." Halten Sie sich für eine sinnliche oder eine kalte Natur? „Für eine mehr kalte Natur." Haben Sie Männern gegenüber im allgemeinen ein Gefühl des Hasses oder Widerwillens? „Keineswegs." Als Sie in der Pubertät waren, interessierten Sie sich damals für die Beschaffenheit männlicher Genitalien oder hatten diese für Sie kein Interesse? „Ich hatte dafür kein besonderes Interesse, erinnere mich wenigstens dessen nicht, hatte auch schon immer gewußt, wie die Männer aussahen." Haben Männerkörper heute kein Interesse für Sie? „Vom künstlerischen Standpunkte sehr." Wollen Sie nicht einmal mit einem Manne verkehren? „Der Herr soll mich behüten. Ich habe nie was anderes gewollt als FrauenverKehr." Sie finden also an Männern ein künstlerisches Interesse, weiter keines? „O, ich bin auch mit manchem befreundet, z. B. mit dem Redakteur H. S., dem Herausgeber der Zeitschrift ........." Zufällig kannte Schreiber dieser Zeilen

den Redakteur. Es ist ein junger, der sozialdemokratischen Partei sich nähernder, meist recht polternder Schriftsteller. Aus meine diesbezügliche Frage äußerte das Mädchen: „Das muß man sich austoben lassen. Ich schreibe für seine Zeitschrift, weil er mit mir befreundet ist. Er ist ein lieber Iunge." Sind Sie denn auch Sozialdemokratin? „Nein." Frauenrechtlerin? „Nur wenig." Den Standpunkt welcher Partei vertreten Sie denn? „Ich vertrete immer bloß meinen Standpunkt, der sich dem der freisinnigen Volkspartei nähert. Ich schreibe aber nicht politische, sondern literarische Sachen, Feuilletons, Skizzen und Kntiken. Ich bilde mir nicht ein, daß ich allein
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.