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3. Ottilie Ehrlich, Schriftstellerin

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

26 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

Sinnlichkeit nicht mehr aushalten können. Sie habe sich daher zu der im Bette liegenden Freundin begeben.

Niemals hatte sie das Bedürfnis, eine ganze Nacht in den Armen der Geliebten zu verbringen. Drei Stunden genügten ihr jedesmal. Sie verkehrte etwa einmal wöchentlich. Nach drei Monaten reiste sie ab. Tränen vergoß sie nicht: „Ich halte das für überflüssig. Es hilft ja doch nichts." Die Treue hielt sie dem Mädchen nicht.

„Ich bin heute mit ihr noch ebenso bekannt. Ich sage immer: Du bist die einzige. Das muß man doch sagen wegen der weiblichen Eifersucht." Als ich fragte: „Verzeiht eine Frau nicht eher die Untreue des Mannes?" sagte sie: „Verzeihen tut sie's wohl auch." Da fragte ich weiter, ob sie wohl selbst eifersüchtig sei. Das verneinte sie: „Ich verzeihe alles. Ich würde gar nicht danach fragen. Das ist das sicherste. So was erzählen sie mir doch nicht. Ich habe immer so ein etwas mißtrauendes Gefühl, namentlich, wenn es sich um Treue handelt."

Ottilie hat noch mit etwa zehn Mädchen verkehrt, bald als „Vater", bald als „Mutter". „Das erste Mal war ich Vater. Die ganze angesammelte Energie kam da zum Ausdruck. Sonst bin ich entsetzlich faul." Die Rolle des Vaters ist ihr meistens zu unbequem. Es kommt auf die einzelne Geliebte an, ob sie die aktive Rolle, die Rolle „des Vaters", oder die passive Rolle, die Rolle „der Mutter" übernimmt. Was ist denn die Hauptsache, wenn Ihnen ein Mädchen gefällt? „Die Harmonie." Was für eine Harmonie? „Das läßt sich
        
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