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1. Maria Fleißig, Fabrikarbeiterin

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

12 Großstadt-Dokumente 93b. 20. Die Tribadie Berlins. 
liegt, homosexualis, weil es im Geschlechtsleben viele 
Widersinnigkeiten gibt, z. V. den Wunsch, das geliebte 
Wesen zu quälen, ober die Sucht, sich von dem Geliebten 
peinigen zu lassen. Die hier vorliegende Widersinnigkeit 
besteht in der Hinneigung zum gleichen Geschlecht (homo¬ 
sexualis); zum Unterschiede von der entsprechenden Er¬ 
scheinung beim männlichen Geschlecht: feminina; mono- 
gamica, weil es sich um ein Mädchen handelt, das nur 
eine einzige Freundin und diese Jahre hindurch begehrt, 
uranica, weil neben der Liebe der Frau zur Frau keine 
Liebe zum Manne besteht oder bestanden hat. 
Der Widerwille gegen den Mann ist bei eingeboren 
gleichgeschlechtlich Empfindenden nicht selten vorhanden. 
Es wäre ein Irrtum, wenn man annehmen wollte, die 
gleichgeschlechtlich Empfindenden seien frei vom Geschlechts- 
hatz. Neben einigen über derartige Gefühle Erhabenen gibt 
es auch unter den Gleichgeschlechtlichen Geschlechtsfanatiker. 
Eine den gebildeten Kreisen angehörende Uranierin machte 
ihrer Schwester, der eine solche Gefühlsrichtung abging, 
die bittersten Vorwürfe, weil sie sich so wegwürfe, mit 
einem Manne zu verkehren. Wenn sie mit ihrer Schwe¬ 
ster ausging, konnte sie nur mit Mühe davon zurück¬ 
gehalten werden, einen Herrn wegen eines Blickes, den 
sie für beleidigend hielt, energisch zur Rede zu stellen. 
Die Dame selbst verkehrte aber seit früher Jugend mit 
Frauen; das hielt sie für entschuldbar; sie fei durch ihre 
erste Freundin verführt. Doch Männerverkehr sei un¬ 
sittlich.
        
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