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IX. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe und Strafgesetz

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

IX. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe und Strafgesetz. 107

in betracht. Soll die weibweibliche Liebesbetätigung als solche strafbar gemacht werden?

Ich persönlich halte eine wesentliche Einschränkung der weibweiblichen Handlungen durch Einführung eines solchen Strafparagraphen für nicht wahrscheinlich. In Österreich sind innerhalb fünfzig Jahren, wie krafst-Ebing betont, trotz Bestehens eines solchen Strafpara-graphen gerichtliche Anzeigen dieser Art nicht vorgekommen. Zm Deutschen Reiche würde die Mehrzahl der Hand-lungen wahrscheinlich straffrei bleiben. Ob und inwiefern gegen Frauen einzuschreiten ist, die unreife Kinder zur Auslösung ihres Geschlechtstriebes mißbrauchen, ist eine andere Frage als die, ob Handlungen, die in der Stille des Schlafzimmers von zwei gleichgesinnten und geschlechts-reifen Frauen ohne Anwendung von Gewalt vorgenommen werden, unter Strafe zu stellen sind. Inwieweit die bestehenden Paragraphen über Körperverletzung zum Schutze der Kinder ausreichen, mögen Rechtsgelehrte beurteilen. Man wird ebenso, wie man die unreifen Knaben vor lüsternen Angriffen von Knabenliebhabern schützt, weiblichen Kindern Schutz gewähren vor Mißbrauch durch gleichgeschlechtlich empfindende Frauen. Namentlich solche Frauen, die infolge ihrer beruflichen Stellung, z. V. als Lehrerinnen, Haus-, Kindermädchen, Erzieherinnen, Gouvernanten, besondere Sorgfalt aus die Pflege der ihnen anvertrauten Kinder zu legen haben/ dürsten bei grobem Mißbrauch ihrer Vertrauensstellung eine schwere Strafe verwirkt haben.

Bei der Entscheidung der Frage, ob Mädchen erwachsen sind, halte ich eine paragraphenmäßige Beurteilung nach dem Kalender für oft verhängnisvoll. Die Richter werden bei allen Sittlichkeitsvergehen zu entscheiden haben, ob das verletzte Mädchen nicht vielleicht trotz tatsächlicher Ingend aus die angeklagte Persönlichkeit den Eindruck
        
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