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VII. Frauenbewegung und weibweibliche Liebe

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

100 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins. 
Wie könnte die Liebe des Homosexualen also Schuld 
sein? 
Der Mann oder das Weib, das ein homosexualer 
Mensch liebt, erwidert diese Liebe doch, will diese Liebe 
doch, wenn sie angenommen wird.... 
und ihre Liebe ist den Homosexualen ihre Selig¬ 
keit, so, wie den Heterosexualen ihre Liebe. Sie be¬ 
glücken einander. Sie beglücken sich in feinster, zartester 
Weise.... 
Wo ist da Schuld? 
Schuld gibt es nur, wo böse Handlung ist, dort, wo 
Subjekt und Gesamtheit geschädigt wird.... 
Wer wird hier geschädigt? 
Niemand. 
Was wollt ihr also? Ihr, die ihr euch nicht genug 
tun könnt in protzenhafter, perverser, heuchlerischer Ent¬ 
rüstung und Äberhebung, die ihr Natur nur dort seht, 
wo die geschlechtliche Bestie recht grob brüllt und sich 
recht grob — roie sagt ihr euphemistisch doch? „auslebt?" 
„exercer leur bestialite“ sagt Louis Fiaux.* 
Was wollt ihr also? 
Wollt ihr vielleicht eure Entartung, eure Unnatur 
mit eurer Gntrüstungs-Mache — dekorieren und — ver¬ 
stecken?" 
Zur Beurteilung: Geschlechtshaß hier wohl Aus¬ 
fluß gleichgeschlechtlicher Nichtbefriedigung. Plato ver¬ 
herrlicht nicht die gleichgeschlechtliche Sinnlichkeit, son¬ 
dern die Liebe, die sich fern hält von aller rauhen 
grobkörperlichen Betätigung — eine Liebe, die häufiger 
zwischen Menschen desselben Geschlechtes als zwischen 
Mann und Frau zu finden ist. Als Ausfluß der gröberen 
* Fiaux: „Les maisons deTol6rance.“ Paris 1892. S. 124.
        
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