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VII. Frauenbewegung und weibweibliche Liebe

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

98 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins. 
wirkungslos ab — bin ich doch unabhängig von Euch, 
bin ich doch über Euch — 
Bin ich doch frei von Euch!" 
so scheint neben der Empörung des durch die Wider¬ 
sprüche der geltenden unklaren Sittlichkeitsanschauungen 
gepeinigten Verstandes doch auch ein auf urnischer Grund¬ 
lage entstandener Männerhatz zu Worte zu kommen. 
Noch deutlicher zeigt sich die urnische Veranlagung, 
wenn sich die gleiche Verfasserin an anderer Stelle „Die 
Liebe des dritten Geschlechts" von Johanna E., Verlag 
Max Spohr, Leipzig, folgende Gegenüberstellung der 
gleichgeschlechtlichen und der mannweiblichen Liebe leistet: 
„Ja voll von Feinheit und Schönheit und Natür¬ 
lichkeit ist die Liebe des Homosexualen, alles Brutale, 
alles Freche, alles Zynische fehlt — alle Ausschweifung ... 
denn der Homosexuale liebt vor allen Dingen die 
Seele im andern —* 
wann liebt der Heterosexuale je die Seele im andern, 
überhaupt eine Seele? Seele? was ist ihm Seele? Ge¬ 
schlecht ist ihm alles — alles ist ihm Geschlecht  
Geschlecht? Was ist ihm, ihm, dem Homosexualen 
das Geschlecht? 
eine Nebenerscheinung, eine Begleiterscheinung, die 
aufblitzt und wieder untergeht im Sturm der Gefühle, 
im Sturm der Seele — eine Saite, die mitklingt in der 
* Einen wundervollen Beleg dafür findet man im Buche 
von Dr. Magnus Hirschfeld „Der urnische Mensch, Leipzig 1903, 
Anhang 6. 159—1Ö3. Und man vergesse doch nicht Platol 
Platos Gastmahl! (Künstlerisch ausgestattete Neuausgabe jetzt 
im Verlage von Eugen Diedrichs in Leipzig erschienen.) In 
wunderbaren Worten hat hier Plato das Wesen der homosexualen 
Neigung festgehalten.
        
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