Path:
Die Heilsarmee

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

94 Großstadt-Dokumente Bd. 6. Sehen und Sektierer in Berlin. 
Ihnen sprechen zu dürfen, Ihnen sagen zu dürfen, wie schön 
es ist bei Jesu, der mich errettet hat." „fjctllelujcch!" schreit 
der Thor der Soldaten. „Oh, es ist herrlich, in Jesu Schon 
ruhen zu dürfen, gewaschen zu jein von allen Sünden mit 
seinem Blut." Und wieder der Thor: „Hallelujah!" „Nur 
eine Frage will ich Ihnen heute vorlegen, eine ernste Frage, 
die ernsteste Frage, die es gibt. Einer jeden Seele möcht ich 
die Frage stellen; dir will ich sie stellen, gerade dir, mein 
Freund: wo bringst du die Ewigkeit zu? Die Zeit vergeht, 
alles geht vorüber, wenn du krank bist, wirst du wieder 
gesund, du bist für Tage krank, oder für Wochen, oder 
Monate, oder Jahre. Aber auch die Jahre vergehen; doch 
die Ewigkeit, die Ewigkeit, die hat kein Ende! wo bringst 
du die Ewigkeit 51t? Zwei Orte gibt es, wo du sie zu¬ 
bringen kannst, den Fimmel und die Hölle. Meine lieben 
Freunde! Kommt zu Jesu! Kommt zu Jesu! Ich bitte 
euch, ich flehe euch an: übergebt euch ihm mit allem, was 
ihr habt und seid, laßt euch von ihm retten, laßt euch von 
ihm retten, laßt euch von ihm retten! Jetzt in dieser 
Stunde, verschiebt es nicht, keinen Augenblick, vielleicht ist 
es eure letzte Stunde. Der Tod kommt und die Ewigkeit 
bricht an. Meine Freunde, wo werdet ihr die Ewigkeit zu¬ 
bringen?" Die Rednerin setzt sich. 
Die Stimmung ist ernster geworden. Aber noch einmal 
tönen lustige Klänge. Die Violinen begleiten ein fröhliches 
Kampflied. Der Kapitän fordert weitere Heilszeugnisse ein. 
Blitzschnell erhebt sich jemand aus den Reihen des Publikums, 
geht vorn ans Podium und erzählt seine Lebensgeschichte. 
Dann ein anderer. Männer und Frauen. Es geht das sehr 
rasch, und man kann in einer Viertelstunde vier oder fünf 
Reden erleben. Es ist erstaunlich, wie außerordentlich brillant 
fast durchweg die Frauen sprechen. In Kiel hörte ich die 
Rede einer Kapitänin, die sich den bedeutendsten rhetorischen 
Leistungen, die ich je gehört, getrost an die Seite stellen 
konnte. Beachtenswert sind vor allem die geschickten Be¬ 
ziehungen auf alltägliche und alltäglichste Dinge, die der 
salutistische Redner findet und geltend macht. Die kleinste
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.