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Oschm-Rahmah-Johjihjah

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

86 Großstadt-Dokumente Bd. 6. Sekten und Sektierer in Berlin. 
scheine uns vielleicht schon auf der nächst höheren Stufe 
der Entwicklung als mangelhaft und unvollkommen, wert, 
überboten und überwunden zu werden. Die Entwicklung 
gleiche einer Spirale, sie führe stetig aufwärts, der Höhe ent¬ 
gegen, aber sie finde kein Ziel. 
„So gibt es kein Nirwana?" frage ich. „So gibt es 
nur die Sehnsucht nach dem Nirwana?" 
„vielleicht," meint er nachdenklich, „aber jetzt müssen 
wir noch an das Nirwana glauben. Uebrigens hat es nicht 
viel Zweck, davon zu reden, man kommt in nutzlose Speku¬ 
lationen hinein, und es ist besser, sich an das Nahe und 
Nächste zu halten. Es ist um nichts weniger wunderbar und 
tiefsinnig als dies Fernste." 
(Einige Minuten später spricht er von der Notwendigkeit 
der Neinkarnation, von den Gesetzen, nach denen sie sich 
vollzieht. „Ein jeder nimmt bei seinem Tode eine Summe 
unausgeläster Leidenschaften mit sich ins Neich der Geister. 
Alle Leidenschaften, deren er Herr geworden, gehen ein in 
die Ruhe. Aber die unversöhnten, unausgelösten quälen ihn, 
drängen ihn ins Leben zurück. Verstehen Sie das Geheimnis 
der sexuellen Liebe? Nicht wahr, das ist ein Geheimnis, ein 
Problem? Aber hier liegt der Schlüssel dazu, von hier aus 
fassen Sie alles. Denken Sie, ein geistiges Wesen wird von 
seinen unausgelösten Leidenschaften ins Leben zurückgedrängt: 
So sucht es die Pforte zu finden, die ins Leben hineinführt. 
<£s sucht Einfluß zu gewinnen auf zwei Menschen, und wenn 
ihm dies geglückt, so sagt man, die beiden Menschen ent¬ 
brennen in Liebe zu einander. Jeder Mensch hat seinen 
Dunstkreis, nicht wahr? 3ch will sagen, seinen Kreis, inner¬ 
halb .dessen seine körperliche Persönlichkeit sich geltend machen, 
sich fühlbar machen kann. <£iit Aehnliches ist dem rein geistigen 
Wesen möglich. Es erobert diesen Mann, dieses Weib für 
seine^wünsche, die nach Leben, nach Reinkarnation brennen. 
Nun behält es und steigert es den Einfluß bis zum ent 
scheidenden Moment, da sich^Mann und Weib zum engsten 
Bunde, zum Akt der Begattung vereinigt haben. Da hat es 
seinen willen: Die Pforte ist ihm geöffnet; es ist Mensch ge-
        
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