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Vorwort

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

Vorwort. 
Ich weiß, das; ich mein Thema nicht erschöpfend behandelt habe. 
Das "konnte mich nicht in meiner Absicht liegen. Das Stoffgebiet ist 
viel zu groß, um auf so knappein Kaum ausgeschöpft zu werden. 
So mußte ich eine Auswahl treffen, und ich traf sie nach den 
Gesichtspunkten, die für die ganze Sammlung der „Großstadt- 
dokumente" bestimmend sind und sein sollen. Das Unbekannte, 
Ungekannte suchte ich aus, und ich meine, daß auch der, der sich auf 
dein Gebiet des religiösen Sektenwesens einigermaßen zu krause glaubt, 
manches Neue und Interessante in dein Büchlein finden wird. 
Auch bei diesen Studien führte der Weg oft in dunkle Ecken und 
Winkel; es ist jammervoll zu sehen, wie viel leistungsfähige, viel¬ 
versprechende Menschen noch immer ihre besten Kräfte auf dem 
Altar des Aberglaubens und haltlosester religiöser Wahnvorstellungen 
zum Opfer bringen. Jammervoll zu sehen! Ich schrieb meine 
Skizzen unter dein Gefühl herzlichen Mitleids mit den irrenden ver¬ 
führten und unter dein Gefühl lebhaftesten Hasses gegen die leicht¬ 
fertigen Verführer, die die Seele jener auf dein Gewissen haben. 
Aber gibt es überhaupt solche Verführer? Sind nicht auch sie wieder 
verführte? 
Jedenfalls ist es Zeit, daß auch weitere Kreise über diese Dmge 
in Wort und Schrift aufgeklärt werden. Auf der finsteren Straße 
läßt sich leicht ein Fehltritt tun; das beste Mittel: man pflanze 
Laternen auf zu beiden Seiten des Weges. Ich will die Macht der 
Aufklärung in diesem Falle nicht überschätzen; aber unterschätzen wir 
sie auch nicht I , 
Die Studie über die Heilsarmee, die kaum viel Neues bieten 
wird, habe ich aufgenommen, weil gerade die Heilsarmee eine wichtige 
Rolle im religiösen, wie int sozialen Seben Berlins spielt und weil 
sie nun einmal in ihrer ganzen Artung eine der merkwürdigsten 
Erscheinungen bleibt, die religiöses Sektierertum gezeitigt hat. 
Für weitere Arbeiten auf diesem Gebiet habe ich noch reiches 
unverarbeitetes Material; doch bin ich jedem meiner Leser zu Dank 
verpflichtet, der mich durch Mitteilungen, Berichte oder Anregungen 
freundlich unterstützt. 
Friedenan, Spätherbst V)01> 
Eberhard Buchner.
        
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