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Zion

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

68 Großstadt-Dokumente Bd. 6. Sekten und Sektierer in Berlin.

Iranisch geworden. Ich suchte das Gespräch wieder ins Gleis zu bringen, aber es wollte nicht mehr so recht gehen. <£r wich mir in seinen Antworten geflissentlich aus.

„Sie heilen also? Durch Gebet?"

„wir heilen nicht. Christus heilt, wir legen die Z?mtd auf, aber Christus ist's, der heilt."

„Und Sie verwerfen den Gebrauch von Medikamenten

grundsätzlich?"

„Sie scheinen mir da besondere Interessen zu haben. Hauptsache ist es für Sie, daß Sie sich erst als Sünder fühlen, als elenden Sünder, dann erfahren Sie das andere alles schon. Sie scheinen mir nur etwas wissen zu wollen. Da werden Sie Gottes Kraft nie erfahren. Gott offenbart sich den weisen und Klugen nicht. Menschliche Weisheit ist nichts als erbärmliche Torheit". Und er zitierte mir eine Reihe von Bibelsprüchen, die mich mit meiner unheiligen Wißbegierde zermalmen sollten.

Ich lenkte ein: „Da meinen Sie, daß der Glaube dem Menschen allein helfen kann?"

„Das ist doch ganz klar. Die Krankheit ist vom Teufel, also wer sich an Gott hält, der entgeht der Krankheit, Gott überwindet den Teufel, Hat nicht Christus bei seinen Lebzeiten alle Kranken geheilt, die sie ihm brachten?"

„Bei seinen Lebzeiten! —"

„Aber er lebt ja noch! Hat er nicht gesagt: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Lnde?" Und steht nicht geschrieben: „Christus gestern und heute und derselbe in alle Ewigkeit?" Also muß Christus auch heute noch die Kraft haben, zu heilen und gesund zu machen."

„Mit dieser Lehre müßten Sie es ja fertig bringen, den Tod aus der Welt zu schaffen. Der Tod ist doch eine Folgeerscheinung der Krankheit, wenn Sie also jede Krankheit heilen können" —

<£r wurde sehr ärgerlich. „Wir können gar nichts, aber Gott kann alles. Freilich, der Tod — der Tod ist natürlich auch Teufelswerk, aber so weit kann das doch nicht gehen,
        
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