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Die christlichen Theosophen

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

Die christlichen Theosophen.	57

herum. „Der Redner hat gesagt, wir müssen uns den Himmel, der uns verhießen wird, verdienen. Mir müssen ihn uns zu verdienen suchen." Jedes Wort wird betont. Der Sprecher ist jedenfalls überzeugt, etwas ungeinein Bedeutendes zu äußern. „Darauf eben kommt es an, das ist von ungeheuerster Bedeutung, dieses Suchen, dieses sich zu verdienen Suchen. Ja, das ist überhaupt der Kernpunkt des Ganzen. Und darauf möchte ich nun das Augenmerk der Zuhörer insbesondere lenken, wie suchen wir uns diesen Himmel zu verdienen? vielleicht wird uns der Herr Vorstand über dieses Suchen freundlichst etwas mitteilen." Der „Herr Vorstand" lieferte ein paar wohlgedrechselte Phrasen und der erste Sturm war glücklich abgeschlagen.

Ungeduldig hatte einer der Jünglinge bereits auf diesen Moment gewartet. Er stand schon kerzengerade hinter seinem Stuhl, dessen Cehtte er nervös umfaßt hielt, und begann nun, sobald es still geworden, seinen Linwand hervorzustottern:

„Also — was ich sagen möchte —" und er stieß überdies noch mit der Zunge an, „also — wir haben da alles Mögliche gehört, aber da gibts so bestimmte Punkte, uud da muß ich widersprechen. Also — in der Bibel, da steht also ein Wort, also an Petrus gerichtet. Der Nedner, der ver-, wahrte sich also dagegen, eine besondere Kirche gründen zu ^vollen. Also das ist nicht möglich. Das ist -falsch, wenn er meint, daß es nur auf die Liebe, so ganz allgemein auf die Liebe ankommt. Lr sagt da, daß also auch eiu Buddhist und ein Türke, und wie sie alle heißen, selig werden können, wenn sie also die Liebe haben. Aber das Wort an Petrus heißt: Du bist petrus, also der Fels, und auf diesen Felsen will ich gründen meine Kirche. Meine Kirche! Also eine Kirche; nur eine Kirche. ZTicrn darf da nicht so allgemein reden. Ganz gewiß nicht, das ist falsch, das ist falsch . . ."

Und der Stuhl, deu seine Hand umkrampft hatte, flog in der Erregung hin und her. Der Sprecher brannte in heiligem Lifer und stieß in grenzenloser Aufregung seine Worte heraus.

Als Antwort erhielt er den Hinweis auf den Bibelspruch:
        
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