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Apostel Krebs

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

44 Großstadt-Dokumente Bd. 6. ©tSten und Sektierer in Berlin. 
in die Gemeinschaft ausgenommen, wenn Krebs nach Berlin 
kommt, so setzt es fast an jedem Abend (er besucht dann 
zumeist die Berliner Gemeinden alle der Reihe nach) etwa 
100 Versiegelungen; von den Totenversiegelungen ganz ab¬ 
gesehen. Man vergegenwärtige sich dieses eminente Wachstum. 
Die Anhänger sind durchweg Leute aus den niederen Ständen. 
Reiner von ihnen unternimmt natürlich den versuch, wirklich 
zu prüfen oder die Autorität der Apostel zu untersuchen. 
Krebsens Autorität steht fest, und es fällt niemand ein, sie 
anzuzweifeln. In Holland gab es eine Spaltung in der 
apostolischen Gemeinde, als Krebs die Herrschaft antrat. 
Die Anmaßung, mit der er die Zügel an sich riß, (beim 
Leichenbegängnis seines Vorgängers rief er plötzlich und 
unerwartet, seine Rechte erhebend, das „Glaubenswort": „3ch 
übernehme euch im Namen des lebendigen Gottes.") hatte 
doch etwas böses Blut gemacht. Ein Prophet erlaubte sich 
einen Apostel zu berufen, der Krebs nicht genehm war. <£s 
endete mit einem furchtbaren Krach; Apostel, Prophet und 
alle ihre Anhänger wurden in den Pfuhl der Hölle verdonnert, 
und sahen sich infolgedessen genötigt, eine eigene Sekte zu 
gründen; das ist ja so der Gang der Dinge. Krebs hatte 
große Mühe, in Holland seine Autorität einigermaßen zu 
restituieren. Deutschland aber steht treu zu ihm. 
wer sich nüchtern und vorurteilsfrei eine Predigt Krebsens 
anhört, kann leicht auf den verdacht kommen, er habe es mit 
einem geistig nicht normal veranlagten Menschen zu tun. 
Gesetzt einmal den Fall, es wäre so — wie erschütternd 
wirkte dann die Vorstellung, daß die Tausende sich vorreden 
lassen, Krebs sei ein Geistesheroe, ein Apostel, ein Heiliger, 
gegen den Moses und Llias die reinen Puppen genannt 
werden müssen, ja, er sei Christus selbst, sei eine Incarnation 
Gottes des Höchsten, „wer mich siehet, siehet den Vater," 
sagt Krebs, „wie Christus sagt, so sage auch ich: es ist 
nicht mein Wort, sondern das Wort meines Vaters, der mich 
gesandt hat." wie, wenn der, der den Gott der Christen 
also lästert, ein Kranker wäre? Zeit ist es jedenfalls, daß
        
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