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Apostel Krebs

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

42 Großstadt-Dokumente Bd. 6. Sekten und Sektierer in Berlin.

daß die Fensterscheibe, vor die ich zu sitzen kam, ein gewaltiges Coch aufwies. Dein unbekannten Wohltäter, der sie zer> kümmerte, meinen untertänigsten Dank!

Die Versiegelung selbst machte einen wenig feierlichen Eindruck. „Alle, die versiegelt werden wollen, vortreten" so wurde kommandiert. Sie stellten sich im Kreise herum, Krebs hielt eine Nede, die, wenn dies nach den vorausgegangenen Leistungen noch möglich war, an Verwirrung und Sinnlosigkeit jeden Rekord schlug, sprach eiu Gebet und legte dann seine etwas plumpen Hände der Reihe nach jedem der Harrenden aufs Haupt. Die Frauen hatten nicht einmal die Hüte abgenommen, so faßte er nach ihrer Backe. Dazu sprach er eine Anzahl Bibelsprüche, von allerlei unklaren Gedanken eigener Fabrikation durchsetzt. Den Höhepunkt bildeten jeweils die Worte „So nehmt denn hin den heiligen Geist." Waren die vornsteheitden absolviert, ertönte wieder (wohl aus dem Munde des Geistlichen der Schöneberger Gemeinde) das forsche Kommando: „wem der liebe Vater die Hände aufgelegt hat, zurücktreten!" Endlos dehnte sich die Zeremonie.

Zürnt wurde schläfrig. Der liebe Vater wollte, nachdem der letzte versiegelt war, ein wenig für Humor sorgen, um die Lebensgeister wieder aufzufrischen. Willkommenen Anlaß dazu bot eine Kindertaufe. Lhe matt sichs versah, hatte sich ein Llternpaar mit einem winzigen Sprößling vorn ant Altartisch eingefnnden, und gütig lächelnd schritt Krebs ihnen entgegen. Der Mattn hatte eine Glatze und sah schon weidlich hoch betagt aus. So viel ich sehen konnte, durfte er doppelt so alt fein wie seine Gattin, und das mochte den Zweifel Krebsens erregt haben. „Bist du der Vater, oder bist du Gevatter?" fragte er. Aber der Angeredete stand verdutzt, offenbar erschüttert durch die Lhre, die ihm zuteil ward, die Ehre, sich mit dein lieben Vater privatim unterhalten zu dürfen. „Nanu, eins von beiden mußt du doch sein, nicht? Also bist du wirklich der Vater?" Es war eilte sehr komische Situation und die Heiterkeit dauerte noch fort, als der glückliche Erzeuger die Vaterschaft endlich etitgestattden hatte. Neue Nahrung gab ihr der
        
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