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Apostel Krebs

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

36 Großstadt-Dokumente Bd. G. Sekten und Sektierer in Berlin.

bleibt mir nicht verborgen: euer Geruch ist zu mir gestiegen. Ich wills euch sagen, das ists: euer Mund ist ausgespült. Das versteht ihr nicht? Ich meine, ihr seid bereitet, der Mund ist ausgespült, vorläufig gereinigt. Gerüstet seid ihr auf die Stunde, die ihr nun erleben sollt. So, nun wißt ihrs." Ich bemerke, daß ich die Sätze, die er sprach, gekürzt, nach Form und Inhalt gleichsam destilliert habe; hätte ich sie mit allem Beiwerk gegeben, so wäre meinen Lesern ihr Sinn zweifellos für ewige Zeiten verborgen geblieben. Uebrigens hatte sich die ganze Gemeinde, die zwischen Gebet und predigt noch ein Lied gesimgen, noch immer nicht wieder auf die Plätze gesetzt. Erst inmitten seiner Rede gestattete Krebs gütigst, „wer sich setzen kann, der mag sich ja jetzt setzen". (Der Saal war bis aufs letzte plätzcheit angefüllt, und es gab ganze Schactren, die keinen Sitz mehr gefunden hatten.) wie eines Herrschers Wort klang das. In Gegenwart von Herrschern hat man zu knien oder zu stehen, so schickt es sich.

Krebfens Text bildete das Bibelwort „wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet und unter dem Schatten des Allmächtigen wandelt, der sprichtzudem Herrn, meineZnversichtund meine Burg, mein Gott, auf deu ich hoffe". Das Wort gab dem ganzen Abend die Signatur. Alle Reden schloffen sich daran an. In extenso wurden wir durch die nach Krebs zu Wort kommenden Apostel darüber belehrt, daß ein Schirm ebenso gut vor Regen, wind und Hagel, wie vor Sonne schützen könne und schützen müsse, pathetisch und mit triumphierender Miene, als vermeinte er mit diesem Hinweis den Vogel abzuschießen, wiederholte jeder der Redner die nicht minder bekannte wie unanfechtbare Tatsache. Apostel Niehaus war der erste, der sie vorbringen durfte. i£r ist Rrebsens rechte Hand, uud begleitet ihn auf fast all seinen Reisen. „Apostel Niehaus wird aus Rücksicht darauf, daß ich so alt und krüpplig bin, jetzt nicht ein Kleines, sondern ein Großes sprechen", so schloß Krebs. Niehaus sprach gewandt und geschickt, wenigstens im allgemeinen. Es gab auch bei ihm Unklarheiten, aber von der Generalkohlerei, zu der sich der vortrag des „lieben Vaters" mehr und mehr herausge-
        
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