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Zur Psychologie des Sektierertums

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

8 Großstadt-Dokumente Bd. 6. Sekten nnd Sektierer in Berlin.

„Das Interesse an der Sache."

„£}m. Gehören Sie einer Gemeinschaft an?"

„Der Landeskirche."

„hm, der Landeskirche? Ja, da haben Sie die Wahrheit noch gar nicht gehört?"

„Ja, es kommt wohl darauf an, was Sie Wahrheit nennen."

„Ich sehe schon, Sie wissen gar nicht, worum es sich handelt. Sind Sie nie bei den Adventisten gewesen?"

Ich mußte lächeln. „Gewiß, mehr als einmal."

„Und —" die Damen waren eifrig geworden. Sie sprachen durcheinander —. „Sie glauben doch nicht? Da haben Sie die Wahrheit also gehört und glauben nicht? Ja, so leicht ist das freilich nicht, forschen Sie! Sehen Sie alles daran! €s ist besser, daß der Leib brenne, denn daß die Seele verloren geht. Ja, warum glauben Sie denn eigentlich nicht? Sie müssen doch einsehen, daß das eigentlich so klar ist, daß das alles gar nicht anders sein kann."

„So meinen Sie, die Wahrheit kann man einzig und allein bei Ihnen finden?"

„Nun gewiß, wo wollen Sie sie denn finden?"

„Und warum kamen Sie hierher?"

„Um zu prüfen. Um zu sehen, ob wir hier Lrüder und Schwestern finden. Aber ringen Sie um die Wahrheit! Setzen Sie alles daran!"

Unsere Wege trennten sich. Fröstelnd fuhr ich durch die Nacht meinen: heim wieder zu. wie stolz klingt doch der Name „die Gemeinde Gottes" und wie erbärmlich das Schicksal, das sie schon nach zwei, drei Sitzungen in: dunstigen Bierlokal ereilt hatte!

Die Kirche überdauert alle diese Sekten. Sie schreitet von Triuinph zu Triumph. Das Los, dem die Sekten gemeinhin verfallen, läßt der stolzen üemchfung, die sie ihnen entgegensetzt, eine eigenartige und unanfechtbare Rechtfertigung zu teil werden, während ringsum die Altäre, die ihre ungetreuen Rinder errichteten, in sich zusammenstürzen, trotzt ihr Tempel allen Stürmen und Anfechtungen der Jahrhunderte und Jahrtausende. Und doch: Ist die Zeit der
        
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