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Die Heilsarmee

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

Die Heilsarmee. 107 
einzige Extravaganz außerhalb der Versammlungen, die sich 
die Heilsarmee bei uns erlaubt, ist die, daß sie Sonntag 
morgens in geschlossenen Kolonnen in die stillen £}öfe einzieht 
und hier, teilweise auch mit Instrumentalbegleitung, ihre 
Iesuslieder an den Mann bringt. Der Heilsarmee sind bei 
uns einigermaßen die Flügel beschnitten; sie wird auf die 
deutsche Polizei nicht allzu gut zu sprechen sein. 
Dafür lebt sie sich in den Versammlungen aus, so gut 
es gehen will: da schreckt sie vor nichts zurück. Einmal sah 
ich ein wunderschönes Blumenarrangement in ihrem Lokal. 
Die Blumen wurden für teures Geld versteigert. In der 
Erntezeit gibt es die großen Erntedankfeste. Auf dem podium, 
das, einer Bühne gleich, durch einen Vorhang den Blicken 
des Publikums entzogen ist, lagern malerisch gruppiert Offiziere 
und Soldaten, alle als Schnitter und Schnitterinnen verkleidet, 
jeder mit einer Sense bewaffnet. Der Vorhang geht hoch 
ein lautes „Ah!" der Bewunderung, das Publikum ist von 
vornherein gefesselt und wird der predigt der anmutigen 
Schnitter und Schnitterinnen ein erhöhtes Interesse entgegen¬ 
bringen. 
Jeder Offizier, jeder Soldat ist streng angewiesen, die 
Mission der Heilsarmee in jedem Augenblick scharf im Auge 
zu haben. In der Wahl der Mittel verfügt er über eine 
verhältnismäßig weitgehende Freiheit. £s liegt ein stark 
jesuitisches Moment der Praxis der Heilsarmee zu gründe. 
Der bekannte Theologe prof. Rolde übersetzt aus einem der 
Werke des General Booth folgende Stelle: „Mir glauben, 
daß alle vernünftigen Maßregeln, alle diejenigen, welche die 
Menschen in Rücksicht auf diese Welt einschlagen, wenn sie 
gesetzlich und gut sind, vermöge der Heiligung, die in den 
Motiven liegt, und der Veränderung, die der Zweck erfordert, 
auf das Reich Gottes übertragen werden dürfen. Ja, wir 
sind verpflichtet dazu, auf Erfolge zu rechnen, und wir sind 
entschlossen, alle gesetzlichen Mittel zu ergreife«, und alle nur 
möglichen Anstrengungen zu machen, um sie zu sichern." 
Naturgemäß spielt die Reklame, die die Heilsarmee für sich 
macht, eine große Rolle, ^ei allen nur erdenklichen Gelegen-
	        
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