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Die Heilsarmee

Full text: Sekten und Sektierer in Berlin / Buchner, Eberhard

Die Heilsarmee.	99

klopft dein Opfer seine» Bekehrungseifers vertraulich auf die Schulter. Alle Überredungskünste werden angewandt, und man muß zugeben, daß die Salutisten darin groß sind.

Dort ein biederes Ehepaar, das eben in Bearbeitung ist. Line junge Soldatin will sich die ersten Sporen verdienen. Zuerst war die 5rau scharf abweisend. Nun aber besinnt sie sich. was das Mädchen ihr predigt scheint ihr faßlich und verständlich; ein Schauer durchrüttelt sie: sollte sie wirklich verloren gehen, wenn sie sich nicht aufmacht, Jesum an der Bußbank zu suchen? Sollte es möglich sein, daß ihre letzte Stunde nahe ist? Und sie ist halb gewonnen. Noch ein letzter energischer versuch der Soldatin, und der Sieg ist gewonnen. Die 5rmi will den schweren Gang gehen, aber da, wie ein Blitz der Gedanke an ihren Mann. Sie schaut auf ihn, und er schüttelt energisch, fast wütend den Kopf. Was soll sie tun? Die Soldatin sieht, will sie siegen, so muß es auf der ganzen Linie sein. Sie wendet sich von der Frau ab, dem Manne zu. Und wieder weiß sie ihre Waffen glänzend zu führen, der Mann giebt sich der Heilslehre gefangen, will seinen Frieden mit Gott schließen. Und nun, höchst komisch, hat sich das Blatt gewandt: der Mann will, die Frau will nicht. Sie hat inzwischen Zeit gehabt, sich zu besinnen, nüchtern zu werden. Das alles ist ja gewiß nicht so schlimm, man braucht es nicht so schwarz zu nehmen. Sie wird es sich nochmals überlegen nnd dann ihren Entschluß fassen. Ein neuer energischer Angriff hat keinen Erfolg. Es ist nicht möglich, die^beiden unter einen Z}ut zu bringen. Die Soldatin redet und redet, aber sie redet umsonst. Geärgert schiebt sich das Ehepaar an ihr vorbei zur Tür hinaus. Die kühne Attacke des Mädchens hat allgemeines Aufsehen erregt, auch von der Plattform aus verfolgten gespannte Blicke die einzelnen Phasen des Kampfes. Nun tönt ein allgemeines wehklagen. Man wirft sich auf die Knie, der Kapitän spricht ein leidenschaftliches Gebet für die beiden armen Seelen, die dem nahen £}eil so freventlich aus dem Wege gegangen sind. Einige Soldaten schluchzen. Ihre Tränen sind aufrichtig, die leise hervorgestoßenen Klagen überzeugend echt. In diesen

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