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Epilog Das Sumpfhuhn

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Verhältnis, auch „Vater und Mutter" sind Stammgäste in ihrem Laf6 und hören zum tausendstenmal die beliebten Gassenhauer und die abgeleierten Walzer. Und das Pilsener Bier wird für dreißig Pfennig in minimalen Dosen verzapft und die Damen stopfen in die süßen Mäuler unzählige Schokoladenkakes.

Früher ging man zu Bilse ins Konzerthaus, zahlte ein Enttee und hörte ausgezeichnete Musik. Dafür durste man um zehn Uhr nach Hause gehen. Heute geht matt zu einem Frei Konzert, nimmt verhältnismäßig minderwertige Getränke und Speisen zu sich und noch schlechtere Kunstdarbietungen. Man hat aber das Gefühl, daß die Wirte verpflichtet sind, einem den langen Abend angenehm verbringen zu helfen und tröstet sich damit, daß man bis drei Uhr nachts noch eine Heimfahrtsmöglichkeit mittels elektrischer Bahn oder Nachtomnibus habe.

Und die Nacht in Berlin!

Welch eine Stadt der Welt hat solche Nacht? Wie ein Brausen geht es durch die, Friedrichstadt, wie ein einziger lustfroher Lhampagnerknall. Allerdings wie ein Champagner, der in Deutschland auf Flaschen gefüllt ist, mit schlechtem Nachgeschmack und Kopfschmerzen ant anderen Morgen. Aber ein wildes Ausleben zwischen elf und fünf Uhr morgens-----------------

Die Berliner stürzen in die Klubs, um zu spielen. Ein großer Teil der Gesellschaft, das heißt dieser Pseudo-gesellschaft, der das Parvenütum an die Stirne geschrieben steht, hat sich mit Leidenschaft dem Spiel ergeben. An allen Ecken und Enden wachsen die Klubs auf dem Sumpfboden des jungen Reichtums und Vermögens, die in harter, ehrlicher Arbeit durch Jahrzehnte erworben

Großstadt-Dokumente 83b. 60.	6
        
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