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Epilog Das Sumpfhuhn

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

80	Großstadt-Dokumente	Bd.	50.	Neu-Berlin.

Wir haben Artistencafss, wir haben Hypothekencafts und Schauspielercafts. Man kann sagen, daß ein großer Teil der Bevölkerung im Winter sowohl wie im Sommer einen Teil seines «Einkommens in der „Schale Haut" anlegt, eine Kapitalsanlage, die als Geschäftsspesen angesehen wird,

Der engagementslose Mensch, von dem es in Berlin tausendfach wimmelt (denn alle kommen her, um das Glück zu suchen), findet am leichtesten in diesen Kaffeehäusern Anschluß. Und auch die alleinstehenden geld-und liebebedürftigen jungen Damen haben in diesen gastfreien Hallen am besten Gelegenheit, ihre Reize harmlos zur Schau zu stellen.

Aus den Erzählungen der Alten klingt zu uns die Konditorei hinüber. Ehemals gab es nur Konditoreien in Berlin und berühmt waren Stehely und Spagnapany, wo unsere Grotzväter und Urahnen bedächtig die Schokolade nippten und noch bedächtiger die Tante Votz lasen. Aber heute sind die Konditoreien fast ganz verschwunden und aus dem bedächtigen Zeitungsleser ist der hastige Verschlinge: der Wölfischen Telegramme geworden, die am Eingänge eines Kaffeehauses hängen und die jeder Ankömmling zuerst zu sich nimmt — vor jeder anderen Konsomation.

Zwischen acht und neun Uhr ändert sich das Bild. Die Kaffeehäuser werden leer und gegen die zehnte Stunde erscheint das Abendpublikum, auch eine Neuerscheinung in Berlin, ein Abendpublikum, das nach der häuslichen Butterstulle noch ein Glas Vier im Kaffeehause trinkt und dafür ein Gratiskonzert serviert bekommt. Wenig Kaffeehäuser können ohne diese Dudelei existieren. Der anspruchslose Mitbürger und der junge Mann mit [einem
        
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