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"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

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Grotzstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

smoking — die lange schmale Hülle mit Glockenschoß und breitem Seidenrevers — first rate.

Über das satte Gesicht zieht ein selbstverständliches Lächeln, die Reflexbewegungen von Austern und Irroy. Dann setzt sich der Schieber an den großen runden Tisch im Klub, und weihevolle Sülle hüllt seine anstrengende Tätigkeit ein, die ihn zwingt, von Zeit zu Zeit die Goldhäufchen oder Banknoten nach rechts oder links zu schieben, wie es „Bac" vorschreibt oder das „Tempeln". Auch im Poker oder Mauscheln muß er im Schweiße seines Angesichtes seine paar Kröten balancieren, und es ist wahrlich nicht leicht, sowohl den Karten zu folgen, als auch aufzupassen, daß alles seine Ordnung hat. Ein Schieber ist aber auch Sportsmann, Automobilbesitzer aus Wechsel, Rennstallinhaber als Strohmann.

Übrigens, das Thema ist unerschöpflich. Ich könnte Ihnen, werter Afrikaner, ern ganzes Buch darüber schreiben, wenn ich einen gutzahlenden Verleger fände. Aber ich denke soeben daran, daß ich diesen Brief nicht bis in die Puppen ausdehnen kann.

Wir haben in Berlin so viele komische Sumpfpflanzen, daß wir ruhig mit Ihren Tropengewächsen drüben in Afrika in konkurrenz treten könnten. Und wenn Sie wollen, schicken wir Ihnen ein paar Exemplare hin.

Nun, Liebster, leben Sie wohl bis nächstens. Grüßen Sie ihre Schwarzen von mir und sagen Sie ihnen, sie sollten froh sein, daß sie abends keinen Smoking anzuziehen brauchten — das allein mache den Kavalier auch noch nicht.--------------
        
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