Path:
"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

„Kavaliere"

77

muß nur den nötigen Mut haben, es aufzuheben. Und man darf nicht darüber stolpern, man muß es zusammenschieben.

„Schieber!"

Da haben wir's. Das sind die Leute, die das Geld von der Straße schieben. Sie säeten nicht, sie ernteten nicht und essen doch jeden Abend im Kaiserhos oder bei Aller. Geschäfte machen! Ein Schieber macht das ganze Iahr Geschäfte. Er verdient immer. Nachmittags im Lass, zumeist beim Billard oder Ecarte. Vormittags bis drei Uhr kann er nichts verdienen, weil er schläft, deshalb fängt sein Tagewerk etwas später an als das der anderen Sterblichen. Zwischen einer Partie Billard besorgt er die Prolongierung eines Kellerwechsels oder das Engagement einer Dame, deren Freund gern aus ihr eine „Schauspielerin" machen möchte.

Abends fängt der „Tag" des Schiebers an. Manchmal vertritt er noch nebenbei eine Zigarettenfirma oder eine Sektmarke. Aber gewöhnlich läßt er sich mit solchen Kleinigkeiten nicht ein. Ein Schieber ist Mitglied eines Klubs.

Seine äußere Erscheinung schwankt zwischen derjenigen eines Gardeleutnants in Zivil und eines im Vollbesitz seiner Kaumuskeln sich wohlfühlenden Agrariers. Aber auch der Vankiertypus ist vertreten. Gewöhnlich läßt man sich „Direktor" titulieren, oder „Herr Leutnant". Der äußere Mensch ist in jeder Weise vollendet. Der Nachmittagssakko von einem vorzüglichen Schneider, der Pelz beinahe Zobel — im ganzen der internationale Schick, der höchstens durch eine zu kräftige Krawatte und einen zu großen Brillanten verdeutscht wird. Auch der Abend-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.