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"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

76	Grotzstadt-Dokumente	Bd.	50.	Neu-Berlin.

dieser Augenkrankheit, und es ist ein wahres Wunder, daß so wenig Unglück durch diese Scherben vorkommt.

Ein „Zavalier" ist „keß", sagte die Kleine in Südende. In Wien sagen sie „fesch". Aber „keß" ist doch noch etwas anderes. Steifer als „fesch", nicht so lustig, mehr adrett. Dabei mit einer Dosis Frechheit gemischt. Sagen wir vielleicht auch eingebildet und über den Stock gezogen. Oder „propper". In jedem Falle: ein kesser Iunge kann nur ein Berliner Iunge sein. Und mit seinen 120 Mark Monatsgehalt lebt er wie ein Dandy der englischen Biedermeierzeit, protzt bis zum 28. des Monats mit einem Zehnmarkstück, das er aus einem versilberten Goldetui nachlässig herausknipst und spendiert seiner Schönen bei Kempinsky oder in einer der musikalischen Weinbuden eine „in Deutschland auf Flaschen ge-füllte". Hat er aber das Pech, daß er die Verwaltung der Portokasse leitet, so kann es passieren, daß sein leicht entzündliches Gemüt sich auch noch am Ende des Monats zu Weinlokalen aufschwingt, was in den meisten Fällen der Portokasse nicht gerade gut bekommen soll.

Aus diesen „Zavalieren" werden dann später vielfach die „Kavaliere", wenn entweder die Familie oder der Staatsanwalt sie aus dem Mißverhältnis zwischen Portokasse, Liebe und Monatsgehalt gezogen haben. Hat allerdings der Staatsanwalt seine unangenehmen Hände dazwischen gehabt, so häutet sich der „Zavalier" erst in einen „Schieber", aus dem sich dann nach vielen Versuchen in Poker, Vuchmachen, Hypotheken und anderen Gründungen häufig ein vollständig geläuterter Kavalier entpuppt, ohne jede Beschränkung der Ehrenrechte.

Denn das Geld liegt in Berlin auf der Straße. Man
        
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