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"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

„Kavaliere".

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der Rockkragen oben nicht anliegt, die rechte Seite der Weste Falten gibt und die Oberhose zu lang ist, so daß die Knie sich beuteln.

Die Hauptsache ist, daß der Anzug schick ist. Womöglich braun oder violettblau.

Die weiteren Hüllen und Dekors liefert irgendeins der vielen krawattengeschäfte. Das bunte Oberhemd — 3 Stück 14 Mark 50 — der echt englische schwarze Filzhut zu 3 Mark 65, der schwerseidene Selbstbinder zu 85 Pfennig. Die Stiesel möglichst breit und möglichst amerikanisch. America for ever! Überhaupt fühlt sich der „Zavalier" nicht nur geschmeichelt, sondern direkt auf seinen wirklichen Wert taxiert, wenn man ihn für einen Amerikaner hält. In kalten Iahreszeiten gehört zu einem „Zavalier" noch ein dicker, unglaublich gestreifter oder wild karierter Ulster, der ebenfalls aus einem Friedrich-straßengeschäft bezogen wird, wohin er, wie der Verkäufer sagt, soeben erst aus England über Kottbus eingetroffen ist.

Viele von diesen „Niedrigstaplern" — zum Unterschied von Hochstaplern — versuchen den echten Kavalieren gleichzukommen, indem sie sich mit Anstrengung aller Muskeln bemühen, ein Monokel für längere Zeit im rechten Augenwinkel festzuhalten. Besonders kleidsam wirkt dieses Augenglas bei jungen Leuten, die am Tage unter schweren Verbeugungen siebenundzwanzigmalSeiden-oder Kammgarnstoffe vorgelegt haben und den verschiedenen gnädigen Fräuleins und gnädigen Frauen die vorzügliche Ware zu den betreffenden Teints als besonders kleidsam empfahlen. Aber auch bei Expedienten, Lehrlingen und Inseratenagenten finden sich Ansätze von
        
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