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"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

74 Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

Wissen Sie, Liebster, was ein Kavalier ist? Ein Berliner Kavalier up to date?

Das kleine Mädchen damals in Südende, wohin ich Sie führte, um Ihnen die Ähnlichkeit unserer Tanzvergnügen mit denjenigen Ihrer schwarzen Asrikaseelen zu beweisen, dieses kleine Mädchen mit wippenden Rosen auf dem Zwölf-Mark-fünfzig-Hut, mit den lustigen zwinkernden Augen und dem fehlenden Zähnchen zwischen den Kußlippen sagte Ihnen bewundernd, als Sie ihr für eine halbe Mark ein Bukett überreichten: „Ein Zavalier ist immer keß" — womit die kleine ihren ganzen Vorrat an Fremdwörtern erschöpfte.

Es gibt nämlich auch bei uns Kavaliere. Man kann auch schon mit 120 Mark Monatsgehalt ein Kavalier sein. Allerdings mehr „Zavalier".

Ein „Zavalier" ist modisch gekleidet. Tip-Top oder tadellos, tadellos mit der Betonung auf der letzten Silbe.

Der Hundertzwanzigmärkige bezieht seinen Anzug von einem Schneider aus der Köpenicker- oder Brunnenstraße. Dieser Schneider war einmal Zuschneider in der Friedrichstraße — sagt er. In Wirklichkeit war er vielleicht, bevor er sich selbständig gemacht, bei Herrmann Hoff-mann als Rockarbeiter tätig. Aber der „Zavalier" gibt ihm seine besonderen Modewünsche an, und das Kleidungsstück wird mit Hilfe der Iournale hergestellt. Das Sakko ganz auf Taille, zwei Bügelfalten hinten. Die Weste vorn mit langen Spitzen, oben weit ausgeschnitten. Die Hosen unten aufgekrempelt. Genau wie es auf dem Modeblatt gezeichnet ist. Dem „Zavalier" kommt es nicht darauf an, daß der Rücken zu breit ist
        
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