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"Kavaliere" Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

„Kavaliere". 
Ein Modebrief an einen einsamen Afrikaner. 
Liebster! 
Sie sitzen da unten in Kamerun oder dicht dabei in 
irgend einem der schwarzen Löcher, pflanzen Gummi¬ 
bäume, freuen sich über den Massenverbrauch von Pneu¬ 
matiks in den vereinigten übrigen Erdteilen, versuchen 
ihren kolorierten Mitmenschen unsere sogenannte Kultur 
aufzuoktroyieren und feiern ein Jubelfest, wenn Ihnen 
das Dampfboot alle vier Wochen Briefe und Zeitungen 
bringt. Sie Glücklicher! Sie kennen keinen Briefträger 
um acht Uhr morgens, keinen telephonischen Weckruf 
während des Nachmittagsschlafes — der noch dazu in 
den meisten Fällen eine falsche Verbindung ist. Sie 
brauchen nicht mehrmals täglich mit Spannung nach 
Ihren Lieblingszeitungen zu greisen und jedesmal ent¬ 
täuscht zu sein, wenn „nichts drin steht". 
Sie pflanzen Gummi und kleben den schwarzen 
Mammis und den gleichfarbigen Niggers preußischen 
Drill aus die Rückseite. Und bei jeder Zigarette, deren 
Rauchringen Sie träumerisch nachschauen, wenn Sie 
langgestreckt aus der Veranda liegen, und ein von Hagen- 
beck noch nicht gefangener Löwe mißmutig in den Büschen 
brüllt, bei jedem dieser duftigen Rauchringe seufzen Sie 
doch nach Berlin 
        
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