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Modekultur

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

68	Großstadt-Dokumente	Bd.	50.	Neu-Berlin.

lange getragen, wie stüher. Das Scherzwort, mit dem man den Jammer über die Gesellschaftssaison ausdrückte, „man käme aus dem reinen Oberhemd nicht mehr heraus", hat seine Logik verloren. Denn der Mann von Kultur, der keine losen Manschetten mehr am Hemde trägt, die verpönten „Röllchen", hält es für selbstverständlich, jeden Tag in ein reines Oberhemde hineinzukommen.

Man geht heute nicht mehr mit schmutzigen Hosen und Stieseln ins Theater, sondern zieht sich vorher den Smoking an. Und unsere Damen sind auch schon teilweise darüber hinweg, zum schwarzen Rock eine Bluse zu wählen, was doch nur „halb angezogen" bedeutet.

Man macht heutzutage Toilette, wenn man aus dem Hause geht. Man weife, daß künstlerische Genüsse und auch kulinarische eine Konzentrierung gebrauchen, die durch das äußere Gewand, vielleicht ohne daß man es will, hergestellt wird.

Es ist, als wenn man mit dem Alltagsanzug auch die Sorgen und Kümmernisse des Alltags auszöge. Die Frische, die man zum Genuß haben muß, bringt uns die saubere Wäsche und das Festtagskleid. Nennen wir es immerhin Festtagskleid, der Smoking und der Frack und die Abendtoilette der Frau hat etwas Zeremonielles und die Ausübung jeder Kultur ist eine Art von priester-

licher Weihe.-------------

Also der Berliner ist in den letzten Jahren geschmackvoller geworden und unsere Frauen Können sich in ihren Toiletten mit ihren Pariser und Londoner Rivalinnen messen. Das heißt: ich möchte das nicht uneingeschränkt bestehen lassen. Die Rasse spricht viel mit, die Art, sich
        
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