Path:
Eine Premiere

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Eine Premiere. 
65 
sich einen kräftigen Manneshändedruck: „Was halten 
Sie von der Sache heute?" 
* * 
* 
Eine Premiere! Sogar eine Primeurpremiere — o 
heiliger Fremdwörterteufel! — 
Sie essen bereits Anfang September die ersten Austern 
in Ostende, sie rauchen die diesjährige Ernte der Ha¬ 
vanna und tragen die Pariser Moden zur gleichen Zeit 
ihres Erscheinens in der Stadt des Lichts und des Ge¬ 
schmacks. 
Sie kapitalisieren die Kunst und nehmen die ersten 
Früchte vom Baume der Erkenntnis; und ihre Erkenntnis 
ist ihre Morgenzeitung, die sie beim Frühstück über die 
Offenbarungen aufklärt, die sie am Abend geschaut und 
vernommen. 
Die Frau Bankdirektor ist gewöhnt, daß sie die Pri- 
meurs bei sich weiter pflegt, zu Hause bei intimen kleinen 
Diners zu zwölf Personen, zu denen der „Dichter" oder 
der „Künstler" eingeladen werden, bei denen ausgezeich¬ 
nete kulinarische Genüsse und womöglich ein ganz be¬ 
sonderer Leckerbissen zum Mokka serviert werden, wenn 
„ihr Dichter" sein „Allerneuestes" liest. 
Und der dicke Großindustrielle versammelt seine Freunde 
um sich, seine „Künstler" — die mit den Freibilletts — 
und feiert bei Borchardt bei ausgesuchtem Rotspon und 
Bergen von Kaviar den flüchtigen Triumph der Kunst 
und die milde Stetigkeit des alleinseligmachenden immer 
sich verjüngenden Geldes. 
Die Frau Exzellenz Wirkliche Geheimrat äugelt hinter 
ihrem Lorgnon zwischen den roten Sesseln durch die 
Großstadt-Dokumente 83b. 60. 5
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.