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Eine Premiere

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

64	Großstadt-Dokumente	23b.	50.	Neu-Berltn.

Frau Kommerzienrätin schüttelt bedenklich den Kopf:

„Wedekind — na ja — aber ein bißchen starke Mittel zur Kindererziehung — und auf die Nerven geht

die Sache —"

Und die energische Nase des jungen Doktor Soundso

kräuselt sich:

„Unangenehm, sehr unangenehm, solch ein Stück regt einen fast so aus wie Sherlock Holmes."

Einige aber, zu deren 3ours und Abendgesellschaften richtige Dichter eingeladen werden, und deren Eltern bereits für die Gründung der „Freien Bühne" Beiträge gezeichnet haben, geben ihrem wohlgenährten Antlitz eine selbstverständliche Miene: „Man wisse doch, Wedekind ist eben Wedekind — und man sagt, er hätte seine eigene Note ..."

* *

*

3m Foyer auf dem weichen roten Teppich stehen sie und begrüßen sich und besprechen die Eibenschütz und Moissi und wissen nicht, was sie sagen sollen.

In dem kleinen, weißen unteren Saal, der wie ein Paradies für flirtende Frauenblicke, für nackte weiße Schultern, für rauschende Seiden und weiche Spitzen erscheint, wie ein Paradies für Lebenslust und Lebenstollheit in bunten lockenden Farben: in dem kleinen weißen Viedermeiersaal stehen sie untereinander; die schwarzen Fracks, die lichten Spitzenkleider und Libertys, und sprechen von dem reizenden Theater und von der wundervollen Dekoration.

Und der elegante Zahnarzt und der Herr kommerzien-rat nehmen die Hände aus den Hosentaschen, versetzen

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