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Eine Premiere

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Eine Premiere.

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violetten Seide, die Frau Exzellenz, Wirkliche Geheimrat, zieht den teuren, echten Brüsseler Spitzenschal etwas fester an, Frau Meyer aus der Knesebeckstratze läßt kokett die Federboa von den weißen Marmorschultern fallen, und der elegante Zahnarzt hinter ihr, der vorzügliche Pferde reitet, gestattet sich, seine ramponierten anatomischen Kenntnisse an ihrem herrlichen Nacken aufzufrischen.

Die Brillanten glitzern durch den Raum. Der Duft von guten, frischen Parfüms steigt an den milden Ma-hagoniewänden empor, und die Seiden rauschen und knistern.

*	*

*

Von der Bühne strömt das Genie. Das Genie, das die Menschheit packt im Arbeitskittel und im fütternden Modegewand der Auserwählten.

Die Schauspieler formen die Dichtergebilde zu unerhörter Kunst und Lebenswahrheit, und das Grauen des Schicksals dringt von	der stillen	Bühne in	die Reihen

der gebannten Zuschauer,	die auf	den	roten	bequemen

Sesseln wie von fern den	Gefahren	des	Lebens lauschen.

Der Herr Vankdirektor unterbricht einen Augenblick seine Gedankenarbeit, und seine Baisse verliert sich in den jungen Mädchenblüten, und seine Erinnerungen tauchen unter in die stürmischen Tage der Jugend.

Die Gnädigste erschauert bei den qualvollen Fragen der kleinen Schauspielerin und schluchzt tiefe, tiefe Seufzer über das grausame Schicksal der armen Kinder und hütet sich, in Tränen auszubrechen, denn sie würde sich den Teint verderben und könnte nicht mit verweinten Augen in den Kaiserhof zum Souper gehen.
        
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