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Eine Premiere

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

62	Großstadt-Dokumente	93b.	50.	Neu-Berlin.

„dabei". Sie ist überall „dabei", wo etwas für die Kultur getan wird. Bei allen Veranstaltungen zur Hebung der Not, der Sittlichkeit, der Kunst und des Geschmackes. Sie ist „dabei", wenn dröhnende Schlachten um die Literatur geschlagen werden und gellende Sirenen den Kamps der 100 ?8-Ungetüme in den zitternden Staub schreien.

Die Gnädigste ist „dabei".

In den weichen roten Sessel schmiegt sie ihre seidenknisternden Glieder, zieht die schönen schwarzen Brauen in die Höhe, ganz unauffällig — das kleine goldne Lorgnon mit dem Rokokostil hält sie flüchtig vor die großen blitzenden Augen:

„Entzückend, Paul, dieser Raum — entzückend, wir müßten unser Speisezimmer auch tafeln lassen."------------

Und der Herr Bankdirektor denkt an die morgige Baisse . . .

Der junge Doktor Soundso steht an die Holzwand gelehnt. Das blendende Weiß der Weste und des Oberhemdes — ein einziges strahlendes Weiß — hebt die tiefe schwarze Kontur seines Evening dress. Der kahle Kops des „Geschlechtssprossen" vibriert unter den Lichtstrahlen der elektrischen Kerzen, und der dünne kleine Schnurrbart langweilt sich unter der großen, energischen Nase.

Und sein Freund, der Fabrikant und Sohn des Groß-industriellen, nickt ihm aus der hinteren Reihe entgegen, etwas fetter, mit den gemütlichen Augen des Lebemannes und mit der feisten Sicherheit, das Leben schon von der Wiege an richtig erfaßt zu haben.---------------

Die Kommerzienrätin sitzt erwartungsvoll in ihrer
        
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