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Kunst und Theater

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

60	Großstadt-Dokumente	23b.	50.	Neu-Berlin.

Und der große Zuzug auswärtiger Maler und Bildhauer, die in Berlin ihren Unterhalt suchen, beweist, daß wir die Mittel haben, unser Leben durch die Kunst verschönern zu lassen.

Allerdings ist der Geschmack und sind die Ansprüche, die der Berliner an die Kunst macht, noch nicht ganz aus der Höhe der Kultur. Aber einzelne Patrizierfamilien sorgen dafür, daß auch die wirklich gute Kunst mäceniert wird mit) geben dadurch ein allgemeines gutes Beispiel, so daß man hoffen kann, in absehbarer Zeit von einem wirklich künstlerischen Empfinden sprechen zu können, wie man es ja bereits von Berlin als Theaterstadt tut. Denn unsere Theateraufführungen, wenigstens die der ersten Bühnen, haben in der Welt nicht ihresgleichen.	*	*

*

Eine typische Erscheinung in unserem Theaterleben ist die Premiere. Schon sofort nach der ersten Ankündigung eines neuen Stückes, die manchmal Monate vorher erfolgt, beginnt die Nachfrage nach den Billetts, die zum Schluß in ein richtiges Rennen darum ausartet. Immer dieselben Menschen sind es, die es sich nicht versagen können, ein neues dramatisches Kind aus der Taufe zu heben und man findet sich bei einer Premiere wie in einem liebgewordenen Familienkreis. Das sind die Leute, die immer dabei sein müssen. Die immer dabei sein müssen, wenn irgend etwas in Berlin los ist, bei einer Denkmalsenthüllung sowohl wie beim Begräbnis einer Koryphäe, bei einer Abendunterhaltung, in der ein auswärtiger Gast serviert wird und vor allem bei der Premiere eines neuen Stückes.
        
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