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Kunst und Theater

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

58 Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

Malers zu erwerben, da man erstens in den seltensten Fällen unterscheiden kann, ob etwas gut oder schlecht gemalt ist und zweitens seinen Bekannten damit nicht imponiert.

Trotz alledem ist Berlin heute der größte Kunstmarkt Deutschlands geworden und hat selbst die Tradition Münchens überflügelt. Wir haben sehr rührige Kunsthändler, die es verstehen, die Bilder allerdings, die sie wollen, an den Mann zu bringen und in manchen kreisen der Gesellschaft ist es geradezu eine Vorschrift, die Wände mit den neuesten Erzeugnissen der internationalen Kunst zu schmücken. Und es gibt bereits in Berlin eine Reihe ausgezeichneter Privatgalerien, deren Inhaber bis auf wenige Ausnahmen feinsinnige Amateure geworden sind und mit großen Mitteln alle Kunstbestrebungen unterstützen.

Gerade weil Berlin eine neue Stadt ist und weil durch die emsige Arbeit viel Geld verdient wird, hat die Kunst einen goldenen Boden bei uns. Und die neuen Geschlechter, die jetzt schon in ihrer Kindheit überall mit Monumenten, mit dekorativen Gebäuden, mit den kunstreich gefertigten (Lisenkonstruktionen der Bahnbauten umgeben sind, werden, ohne daß sie es wollen, immer mehr in den Bann der Kunst gezogen, so daß sie ganz von allein künstlerisch mehr empfinden werden, als ihre Großeltern.

Noch mehr als für bildende Kunst schwärmt der Berliner für Musik. Die Reichshauptstadt ist die Hochburg der Konzerte. Man muß die täglichen Anzeigen im Berliner Tageblatt oder in der Vossischen Zeitung lesen, um sich ein Bild zu machen, wieviel und wie oft an einem Abende in Berlin gegeigt, Klavier gespielt und gesungen wird.
        
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