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Kunst und Theater

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Kunst und Theater. 
Kunstart. Und es ist gut, daß man diesem Publikum, 
das jetzt wahllos in den Nachtstunden die Kabaretts be¬ 
völkert, nur eine leichte Kunstkost vorsetzt. Es wäre 
schlimm, wertn die armen vollgetrunkenen und voll¬ 
gegessenen Erdenbürger außer ihrem Diner noch feinere 
Literatur verdauen sollten. 
So füllen die heutigen Kabaretts vollständig die 
Lücke aus, die in dem Großstadtbetrieb offen war, an¬ 
spruchslos, leichtgewürzt, gemischt mit derber Kost, dabei 
graziös wie ein leichtes Persönchen. 
* * 
* 
Der Berliner, der bekanntlich ein großer Arbeits¬ 
mensch ist und dessen fast amerikanische Hast ihn nie zur 
Ruhe kommen läßt, ist außer für Theater mir noch für 
Musik zu haben. Die bildende Kunst wird ihm ge¬ 
wissermaßen aufoktroyiert. Er macht seine Witze über 
die kunstbetätigung am allerhöchsten Ort und verkennt 
dabei, daß der Zweck gut gemeint ist, wenn auch die 
Ausführung in den meisten Fällen leider hinter der Ab¬ 
sicht zurückblieb. Die sogenannten guten Kreise ziehen 
immer noch eine mittelmäßige Reproduktion einem 
Originalbild vor. Die einzige Art, wie der Berliner sich 
an der Malkunst beteiligt, ist, daß er immer noch nicht 
aufhört, sich und seine Familienmitglieder zu hohen 
Preisen von schlechten Malern porträtieren zu lassen. 
Manchmal werden auch Bilder gekauft, aber der 
eigene Geschmack muß hinter der „Marke" zurückstehen. 
Man erwirbt wohl einen von den berühmten Namen 
und scheut keine Kosten dafür. Aber man würde sich 
nicht trauen, selbständig das Bild eines unbekannten
        
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