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Kunst und Theater

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

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Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin. 
qualm jongliert. Dann erzählt ihm ein Herr im ele¬ 
ganten Frack ein paar derbe und würzige Anekdoten, 
man lacht wie man im Rauchzimmer bei einer Gesell¬ 
schaft lacht oder im Ofstzierskasino; ein anderes Fräulein, 
deren ausgeschnittene Balltoilette aus die Nerven der 
Kavaliere wohlige Reflexe ausübt, singt eine Strophe, 
die mit der größten Schwierigkeit die Zensur passiert 
hat, aber auch einige von den Gästen unterhalten sich 
ungestört weiter über die Angelegenheiten, die sie vorher 
beim Diner diskutiert hatten. Es interessiert sie gar 
nicht, daß dort auf dem Podium Künstler stehen. Wie 
im Traum hören sie die süßen Melodien, die ein geist¬ 
reicher Musiker dem Flügel entlockt und die dünnen 
Sümmchen der Soubretten hallen an ihrem Ohr wie 
aus weiter Ferne wider. 
Ursprünglich versuchte man das Kabarett, diese echt 
pariserische Sumpfpflanze, auch in Berlin als das, was 
es eigentlich bedeuten sollte, zu bringen. Einzelne Künstler* 
Bohömiens taten sich zusammen und ein frischer Zug 
ging durch die lustigen „Abende", die noch von dem 
„Hungrigen Pegasus" und dem „Siebenten Himmel" m 
der Erinnerung sind. Die Berliner Gesellschaft war 
jedesmal vollzählig vertreten, und man drängte sich und 
stieß sich in den ganz kleinen Räumen und man lauschte 
gespannt auf die wirklich künstlerisch interessanten Dar¬ 
bietungen. 
Aber wie alles in Berlin „Geschäft" wird, wie die 
Freude an dem rein künstlerischen in Berlin nicht lange 
währen kann, ohne daß Banalität und Trivialität schlechte 
Imitationen erzeugen, so starb das Künstler-Kabarett 
dahin und aus seinen Trümmern entstieg die heutige
        
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