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Kunst und Theater

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

54	Großstadt-Dokumente	Bd.	50.	Neu	Berlin.

Und der Berliner pendelt zwischen Shakespeare, Schiller und Sherlock Holmes und lacht über die plumpen Scherze der jüdischen Jargon-Theater.

Noch ein übler Mitzstand im Theaterwesen hat sich breit gemacht, das ist die hirnlose Vorführung langweiliger, ideenloser Revuebilder, die mit Hilfe von Ballettbeinen und Zirkustricks unter Begleitung von allerdings häufig graziöser Musik den Zuschauern drei Stunden lang serviert werden. Man mutz allerdings die Berliner in Schutz nehmen, denn es ist nicht ihre Schuld, wenn ein solches Theater, das in banaler Weise Pariser Vorbilder nachahmt ohne die gallische Grazie und Zensurfreiheit mit zu importieren, ein Jahr lang dieselben Aufführungen bietet. Das kommt auf das Konto der Provinzialen, bei denen es ein heiliges Vermächtnis zu sein scheint, gelegentlich ihres Berliner Aufenthaltes diese leichteste aller Theaterkost zuerst zu sich zu nehmen.

Aber die Berliner Varietes kann man nicht viel anderes sagen, als über alle Varietes der ganzen Welt. Diese Kunstgattung hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert und ist international geworden. Der Berliner aller Stände liebt seinen Wintergarten und sein Apollo-Theater und diese gehören wie auch ein Zirkusbesuch in das Saisonrepertoire. Man geht einmal in jedem Winter in eins dieser Institute und sieht sich einen von den berühmten Tanzstars an, die wie das „Mädchen aus der Fremde", jedes Jahr wieder auf der Bildfläche erscheinen. Seit den Zeiten der Barrisons und der Otero sind auch in dieser Kunstgattung keine derart welterschütternden Erscheinungen ausgetreten, daß sie die Massen in Bewegung gesetzt hätten.
        
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