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Berliner Karneval

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Berliner Karneval. 
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haben sich auf den Kops einen Papierhut gestülpt und 
meinen, daß sie damit vollständig genügend Karneval 
markieren. Frau Fabrikbesitzer Schulze tänzelt in einem 
Pierrettenkostüm umher und die Freunde ihres Mannes 
sind entzückt, ihre schönen Waden zu entdecken. Aber 
sie vergeht vor Neid, als sie die Frau ihres Prokuristen 
in einem weißen Llownkostüm erblickt, in dem diese noch 
viel hübscher wirkt, wie sie als Pierrette. Und ihr ist 
die ganze Stimmung verdorben. Um zwölf Uhr ver¬ 
suchen einige Scherzbolde Eonfetti und Papierschlangen zu 
werfen und verwickeln eine ältere starke Dame in einen 
Wust von bunten Papiersetzen. Wogegen die ältere starke 
Dame energisch protestiert, und worüber sie sich höchst 
unwillig in lautes Mißfallen ausläßt. Um zwei Uhr 
versucht ein junger Referendar die Ausgelassenheit einer 
verheirateten Frau zu benutzen, aber Madame entrüstet 
sich über seine Frechheit und will es ihrem Manne sagen. 
Um drei Uhr erreicht die Stimmung den Höhepunkt auf 
der Rutschbahn und um vier Uhr wird es endlich leerer 
im Saal, so daß man sich beim Tanzen nicht mehr mit 
den Ellbogen zu stoßen braucht. Um sechs Uhr vergeht 
der großen Trompete auf der Balustrade endlich die 
Puste und die letzten drei Paare tanzen den letzten 
„Walzertraum". 
Nelly hat sich natürlich himmlisch amüsiert, die Leut¬ 
nants gehen gleich in den Dienst, die Rechtsanwälte 
schlafen bis zum Termin um neun Uhr schnell „noch 
einmal rum". 
Der wohltemperierte Herr Meier und seine Frau Ge¬ 
mahlin sind bereits um zwei Uhr weggegangen, erstens 
weil er pünktlich um acht Uhr im Geschäft sein muß, 
Großstadt-Dokumente Bd. 60. 4
	        
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