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Berliner Karneval

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

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Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

Der Karneval auf der Straße ist in Berlin unmöglich. Nicht, weil wir zuviel zu tun haben. Aber warum sollten wir in Berlin nicht auch einmal an irgend einem Tage des Jahres öffentlich Purzelbäume schlagen dürfen? Es geht bloß nicht. Der Berliner kann es nicht. Der Berliner kann nur zusehen. Zusehen und kritisieren  -------.

An den Säulen verkündet ein lustiges, großsprecherisches Plakat, daß an dem und dem Tage ein großes Fest abgehalten würde. Man weiß im voraus, daß „alles, was ein bißchen was ist", dort hingeht. Wenige Vorsichtige haben sich bereits einige Wochen vorher Billetts gelöst, aber die meisten stürzen erst am letzten Tage an den Vorverkauf und die ganz Säumigen, die sich erst abends um acht Uhr entschließen, lösen die Karten an der Abendkasse, selbst aus die Gefahr hin, ein Aufgeld zu bezahlen.

Herr Meier und Frau Meier, Müller, Schulzes, die blonden Leutnants, die blonden Baroninnen, der Herr Direktor, der Herr Generaldirektor, Seine Exzellenz, alle sind sie auf dem Ball. Über alle ist es gekommen. Herrgott! Heute wollen wir aber einmal lustig sein. Da haben ims die anderen alle erzählt, daß es so famos auf diesem Feste wäre, na tturt wollen wir einmal sehen .. .!

Und dann stehen sie umher oder gehen mit gemäßigten Schritten durch den Saal oder verankern sich bei einer Flasche deutschem Schaumwein. Sie begrüßen sich diskret und vornehm wie im Salon der Frau Geheimrätin oder wie bei Meiers zum Abendessen. Einige lachen gedrückt und finden es furchtbar komisch, wenn sie einen Bekannten entdecken, der ein Kostüm angezogen hat. Die meisten
        
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