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Berliner Karneval

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

44 Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

Aber trotzdem behaupten die Berliner von sich, daß sie die Gemütlichkeit gepachtet hätten.

Ich kenne diese Gemütlichkeit. Sie beginnt aus den Gesellschaften, wenn das Pilsener Vier zu Ende geht und auf den Kränzchen und BallsestlichKeiten, wenn sich die erste Prügelei abspielt. Oder wenn im Kaffeehaus in der Frühe irgend ein zu Beefsteak verarbeiteter zu-künftiger Träger der Wissenschaft einen Herrn ankontra-hiert, der mit seinen Schwestern und mit der Ballmutter die ungastliche Stätte aufgesucht hat, um hier die Zeit bis zum Abgang des ersten Stadtbahnzuges zu erwarten -----------

Einmal überkommt es sie alle. Man möchte auch lustig sein, tollen, Mummenschanz treiben...

„Sagen Sie," fragt mich der wohltemperierte Herr Meier durch die blumige Tischdekoration hindurch, er kratzt dabei mit großer Geschicklichkeit eine Hummerschere aus und unterbricht seine Rede, wenn er das zarte Fleisch zwischen die Lippen schiebt. „Also sagen Sie, muß man sich aus dem Ball ein Kostüm anziehen?" Er spricht von einem der bekannten Berliner Bälle, von dem einzigen vielleicht, auf dem die Stimmung bisher stets eine wirklich karnevalistische gewesen war.

Als man Herrn Meier antwortet, daß man ohne Kostüm nicht hineingelassen wird, aber daß er ruhig seinen Frack anziehen und sich dort für ein paar Mark „verunstalten" lassen könnte, meinte Herr Meier höchst indigniert, indem er sich zum zweiten Male einen mächtigen Hummerschwanz aus seinen Teller legte:

„Ich bin für solche Schautereien nicht zu haben und noch außerdem Geld dafür ausgeben! Wie komme ich
        
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