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Berliner Karneval

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Äerliner Kameval.

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Frau Müller und Herr Müller und alle die anderen, die ihrem Urgroßvater gewöhnlich nicht dankbar sind, daß er sich damals einen Namen gewählt hat, der ihnen heute die Karriere verdirbt.

Aber da sind auch noch die vielen Leutnants und die vielen Barone und Direktoren und Regierungsräte und Exzellenzen und Wirklichen Geheimrüte, deren Vorfahren ganz einwandfrei gewesen sind und deren Blondheit manchmal bis in das aschgraue Rittertum zurückgreift. Auch diese Herrschaften brauche ich Ihnen nicht vorzustellen. Vielleicht werden Sie auch ihnen heute abend begegnen, Sie werden sich gegenseitig ein strammes Kompliment machen und mit den Hacken zusammenschlagen und sich einander aus den neuen Orden von „Exzellenz" aufmerksam machen und sich den neuesten Skandal in die Ohren tuscheln.

Aber alle, Herr Meier, Frau Meier, Herr Müller, Frau Müller, Herr Geheimrat, Frau Gräfin, Seine Exzellenz, Herr Direktor und Herr Generaldirektor sind korrekt bis in die Fußsohlen und ihre Gemütlichkeit beginnt erst auszubrechen, wenn sie den Kragenknopf gelöst haben und sich morgens früh um drei Uhr endlich ins Bett legen.

Gemütlichkeit. Das ist nämlich ein echtes deutsches Wort. Ins Französische können wir es nicht übersetzen. Der Franzose ist niemals gemütlich, das paßt nicht zu seinem Temperament. Der Berliner ist auch niemals gemütlich. Er ist steif, korrekt, als wenn er einen Ladestock verschluckt hätte. Dann gibt es eine Kategorie von Berlinern, die schimpft und macht schnoddrige Witze und läßt an nichts ein gutes Haar.
        
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