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Berliner Karneval

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

42	Großstadt-Dokumente Bd. 50, Neu-Berlin.

Theater, Herr Meier geht jeden Sommer vier Wochen mit seiner Frau an die See oder ins Gebirge, das heißt, ein Iahr nach Heringsdors und das andere Iahr nach Oberhof, und dann fühlt Herr Meier sich verpflichtet, im Laufe des Winters bei sämtlichen Leuten, mit denen „man verkehrt", das wieder abzuessen, was er und seine Frau einmal in jeder Saison gezwungen sind, ihnen vorzusetzen. Herr Meier führt wie gesagt ein wohltemperiertes Leben und freut sich, wenn die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse ihm keine Kopfschmerzen verursachen.

Aber manchmal kommt es über ihn. Richtig zu verstehen: Nicht über ihn direkt kommt es, sondern zuerst ist es über Frau Meier gekommen. Ich müßte nun, genau so wie ich Herrn Meier beschrieben habe, auch Frau Meier analysieren. Aber wozu? Sie kennen doch alle Frau Meier, Sie treffen sie doch überall. Nicht wahr, heute abend werden Sie sich vor einem Dutzend weiblicher Meiers verbeugen, die eine wird schwarz sein, die andere braun, es kann sogar vorkommen, daß es ganz blonde Exemplare gibt. Die weiblichen Meiers sind dick, sind dünn, gut angezogen, manche weniger gut angezogen. Bei den meisten aber ist aus der Kleidung immer irgend etwas zuviel darauf. Frau Meier wird stets ihre Toiletten so wählen, daß weniger Garnituren mehr gewesen wären. Frau Meier haßt die Einfachheit und liebt zu strahlen wie der Stern des Morgenlandes. Zu ihrem Lobe aber kann ich noch hinzufügen, daß sie über sehr schöne Schultern verfügt und wundervoll geformte Arme.

So — das ist Frau Meier und Herr Meier und

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