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Das Gesellschaftsleben

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

38 Großstadt-Dokumente 93b. 50. Neu-Berlin.

die „Löwen", um die sich eine Gesellschaft scharen kann. In Berlin arbeitet man, geht in die Gesellschaft, nicht um ein Kulturprodukt damit zu schaffen, sondern weil man müde ist vom Tage und abgebraucht von den Sorgen, und man betrachtet einen Gesellschaftsabend entweder als eine harmlose Zerstreuung oder als eine entsetzliche Verpflichtung, der man sich aus tausenderlei Rücksichten nicht entziehen Kamt,

Berlin als Millionenstadt ist noch jung und wird es auch noch lernen, daß man bei einer Soiree nicht nur Putenbraten und Käsestangen zu sich nehmen soll, sondern daß man auch im Frack Werte schaffen Kann, die vielleicht ebensoviel für die Kultur bedeuten, wie die ausgeklügelten mathematischen Zirkelweisheiten der Arbeitsstube.

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Der Berliner ist sehr vergnügungssüchtig und mit den ersten gelben Blättern des Herbstes fangt das Gesellschaftsleben bei ihm an, das sich bis in den späten März ausdehnt. Hausbälle und Privatdiners wechseln mit öffentlichen Veranstaltungen ab und im Januar und Februar überstürzen sich die großen Kostümfeste, die in den viele Tausend Menschen fassenden Sälen abgehalten werden.

Einen großen Anziehungspunkt für diese Feste gibt die Wohltätigkeit. Alle möglichen sozialen Schäden müssen dafür herhalten, von jungen und alten Damen, von blonden Leutnants und würdevollen Großwürden-trägern abgetanzt, abgeflutet und abgegeiftreichett zu werden. Hunderte von Vereinen benutzen die Genuß-
        
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