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Das Gesellschaftsleben

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Das Gesellschaftsleben.

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ausgeübt hat, hat auch der Tanz bei uns eine mehr künstlerische Form angenommen. Und auch die Gelegenheit, die die Berliner aus ihren vielen Reisen haben, in internationalen Hotels mit guten Tänzern zusammenzukommen, hat eine neue Generatton hervorgebracht, die wirklich gut tanzt.

In den ersten Morgenstunden zwischen zwei und drei Uhr enden gewöhnlich diese Abendgesellschaften und man verabschiedet sich mit der bestimmten Voraussicht, sich in den nächsten Tagen wieder in demselben Kreise wiederzusehen. Oder man trifft sich aus den öffentlichen Bällen, die aber des eigentlichen Vergnügens bar sind und nur eine große Schau darstellen.

Das neue Berlin hat keine „Gesellschaft". Man konzentriert sich nicht mehr, sondern ist vollständig zersplittert in einzelnen Cliquen. Weder die christliche noch die jüdische Gesellschaft eint sich wie früher um Persönlichkeiten und auch die Salons der vergangenen Epochen sind ausgestorben. Alle Versuche, auch die neue Mode der Füns-Uhr-Tees, scheitern an der Interessenpolitik. Das, was eine Gesellschaft überhaupt zusammenhalten kann, die große uneingeschränkte Liebe für die Kunst, ist in unserem modernen Berlin zugrunde gegangen. Unsere Stadt ist die Stadt der Technik und vielleicht auch die Stadt der Politik. Und die Kunst wird als eine angenehme dekorative Begleiterscheinung angesehen, der man in keiner Weise den Vorrang einräumt. Und noch eins ist es, was in dieser Millionenstadt eine „Gesellschaft" nicht aufkommen läßt, das ist der norddeutsche Kastengeist und das Mißachten der Persönlichkeit. Wir haben keinen Personenkultus und deshalb fehlen uns
        
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