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Das Gesellschaftsleben

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

32	Großstadt-Dokumente	Bd.	50.	Neu-Berlin.

gefertigte Einrichtung. Wenige Familien geben ihre Feste in auswärtigen Hotels.

Eine richtige Abendgesellschaft bedeutet die Sorge eines ganzen Winters für die Hausfrau. Da ihre Freundin oder ihre Schwägerin neulich irgend einen Clou oder ’ eine Sensation ihren Gästen aufgetischt hatte, sucht sie ihr armes Hirn und den Geldbeutel ihres Herrn Gemahls anzustrengen, um mit einem noch größeren Llou die anderen aus dem Sattel zu heben. Wochenlang vorher werden die Tischdekorationen beraten, Aufführungen werden veranstaltet und nur die Hauptsache, das Essen, wird nebensächlich behandelt, weil es mit der Zeit zur Tradition geworden ist, zu irgend einer Preislage bei den bekannten Stadtköchen ein fertiges Souper zu bestellen. Man weiß in den meisten Fällen vorher, wie das Menü sein wird und die Eingeladenen haben sich daran gewöhnt, jeden Abend Lachsforellen, junge Gatts, Reh- ober Putenbraten zu sich zu nehmen und höchstens die Form, in der das Eis serviert wird, bringt eine Abwechslung, wenn die Hausfrau in einem Anfall ingenieuser Erfindungskraft dem Konditor eine besondere Ausgabe gestellt hat.

Die Gäste sitzen in ihren schwarzen Fracks und in ihren ausgeschnittenen Vallroben und essen mechanisch und trinken ebenso mechanisch einen Schluck Rotwein oder Sekt dazu, und hüten sich, satt zu werden sowohl, wie übermäßig Alkohol zu sich zu nehmen uttd unterhalten sich von den Tagesfragen und diskutieren die Antiken der Zeitungeu über die neuesten Theaterstücke, denn es gehört nicht zum guten Ton, ein eigenes Urteil zu haben. Oder man freut sich, daß man sich wieder-
        
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