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Das Gesellschaftsleben

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

__	Das Gesellschaftsleben.	31

8Va Uhr einzunehmen. Nun kann es einem biederen Provinzialen, der Berlins übertünchte Kultur nur theoretisch kennt, passieren, daß er eine solche Einladung ebenfalls theoretisch und wörtlich nimmt. Aber sein Schrecken wird groß sein, allerdings nicht so groß, wie der der Hausfrau, wenn er pünktlich um die gebetene Zeit in die heiligen Hallen eintritt, in denen die Abendgesellschaft stattfinden soll. In den Salons sind die Lichter noch nicht angezündet, die Lohndiener decken noch und die gnädige Frau hat ihre Toilette noch nicht beendet. Womöglich ist der Hausherr noch nicht einmal aus seinem Bureau zurück und die Zigarrenkisten, Likörflaschen stehen noch unausgepackt im Korridor.

In den Kreisen des Berliner Westens ist es zu einer leidigen Gewohnheit geworden, vor zehn Uhr zu keinem Souper zu kommen und nicht einmal die Suppe zu respektieren, die man eigentlich um 6V2 Uhr pünktlich essen sollte.

Man liebt den Verkehr in Berlin. Zeder Mensch „verkehrt", jede Familie hat ihren kreis, der mit den Verwandten anfängt und mit den Badebekanntschasten aufhört. In den großen Wohnungen des Westens ist immer ein Zimmer darauf eingerichtet, daß es bei einer festlichen Gelegenheit vierzig bis sechzig Personen plazieren kann. Und wenn dieses eine Zimmer nicht reicht, werden andere Räume dazu genommen und die über-flüssigen Möbel für diesen einen Abend daraus entfernt.

liebt es, in seinem eigenen Heim zu empfangen. Man zeigt mit Stolz sein Silber, seine mehr oder minder geschmackvollen und „teuren" Bronzen, Bilder und Nippes, feine nach den neuesten kunstgewerblichen Entdeckungen
        
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